Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Miene, jede Nüance in dem Mienenſpiel des Königs und ſeines Freundes. Aber des Königs Geſicht blieb immer nur ruhig und gleichmäßig, und auf Jordan's Antlitz ſtrahlte nicht die Verklärung der Freude, ſondern eine leiſe, ſchmerzliche Verwunderung zog wie eine Wolke darüber hin.

Jetzt trat der König aus der Fenſterniſche zurück und winkte Bielfeld zu ſich. Auch mit ihm ſprach er lange und angelegentlich, um ihn dann zu entlaſſen und mit Chazot ſich zu unterreden. Zuletzt nahm er den Arm des Grafen von Wartensleben und ging plaudernd mit ihm auf und ab. Des Grafen Antlitz ſtrahlte vor Vergnügen, aber die Geſichter der übrigen Höflinge waren ernſt und finſter. Mit Keinem von ihnen hatte er ſo lange geſprochen, wie mit dem Grafen, Keinen von ihnen hatte er ſo am Arm gefaßt und ſo vor Aller Augen ſeine Zärtlichkeit und Liebe gezeigt.

Es war alſo klar, der Graf von Wartensleben war von heute an der erklärte Liebling des Königs, er hatte ſie Alle aus dem Felde geſchlagen.

Der junge König hatte alle dieſe Empfindungen, alle dieſe Re⸗ gungen des Neides, der Bosheit, der Trauer und des Zornes in den Mienen ſeiner Freunde geleſen. Er kannte ſie Alle zu gut, er hatte ſie Alle zu lange beobachtet, um nicht auf ihren Geſichtern ihre Ge⸗ danken leſen zu können. Es hatte ihn ergötzt, ein wenig zu ſpielen mit den kleinlichen, in Eigenſucht, Neid und Haß befangenen Menſchen⸗ ſeelen; er hatte den Freunden eine Lehre geben, ſie von ihrer erträum⸗ ten Höhe ein wenig zu der Wirklichkeit herniederziehen wollen. Jetzt aber, nachdem der Graf ihm als Werkzeug gedient, jetzt mußten auch ihm die Flügel gelähmt, auch ſeine hochbrauſenden Wellen des Ehr⸗ geizes mit dem Oel der Enttäuſchung gedämpft werden.

Ja, ich bin jetzt der Herr eines Königreichs, ſagte der König jetzt. Ich habe eine ſchöne Armee und einen wohlgefüllten Schatz. Sie zweifeln gewiß nicht, daß es mein höchſtes Beſtreben ſein wird, mei⸗ nen Staat blühend zu machen, den guten Ruf meiner Armee zu er⸗

halten und einen guten Gebrauch von meinen Reichthümern zu machen. Das Geld iſt da, um zu circuliren und angewandt zu werden. Das⸗