Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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müſſen ſehr ſtark und ſehr verführeriſch ſein, wenn er ſie nicht zer⸗ reißen ſoll! Nun, glücklicher Weiſe kennen Fredersdorf und ich einige dieſer Schlangen, und wir werden Sorge tragen, daß er ſie auf ſei⸗ nem Wege findet!

Der König indeſſen hatte die großen Empfangsſäle verlaſſen und ſich in ſeine Privatzimmer zurückgezogen, wo die Freunde und Ver⸗ trauten ihn erwarteten und mit hochklopfendem Herzen ſeines Kommens harrten. Sie waren Alle bereit, den goldenen Regen aufzunehmen, der ſich ohne Zweifel jetzt über ſie ergießen mußte, ſie waren Alle überzeugt, daß der junge König ein wenig von dem Purpurmantel, der jetzt ſeine Schultern bedeckte, auch auf ihre Schultern legen würde,

daß er ſie allein dazu auserſehen, ihm die Laſt ſeiner Königskrone

und ſeines goldenen Scepters tragen zu helfen; ſie träumten Alle

von Miniſterportefeuilles und Geſandtſchaften, von Generals⸗Epauletten und Prüſidentſchaften.. Als der König jetzt in ihre Mitte trat, empfingen ſie ihn mit

lauten Freudenrufen, eilte Markgraf Heinrich, der oftmalige Genoſſe der zwangloſen Feſte in Rheinsberg, auf den König zu, um ihm beide Hände entgegenzuſtrecken, und mit frohen, heitern und witzigen Worten als den lieben Gärtner von Rheinsberg zu begrüßen.

Aber Friedrich reichte ihm nicht ſeine Hand dar, er lächelte nicht. Den Markgrafen mit ſtrengen Blicken anſehend, trat er einen Schritt zurück und ſagte ernſt:Monſieur, jetzt bin ich König*)!

Und wie er das Erſtaunen und die Ueberraſchung in den Mienen all' dieſer eben noch ſo zuverſichtlichen und lächelnden Freunde las, fuhr er mit einem freundlichen Lächeln fort: wir ſind jetzt nicht mehr in Rheinsberg! Dort gilt der ſchöne Spruch des Horaz:ſüß iſt albernes Thun zur Zeit! Dort bin ich der Gärtner und Freund! Hier aber bin ich der König, und hier müſſen wir Alle arbeiten und ſchaffen, und ein Jeder muß ſeine Kräfte anſtrengen, und in den Dienſten, die er dem Staate leiſtet, ein Zeugniß ablegen vor dem

*) Preuß, Jugendgeſchichte Friedrich des Großen, pag. 321.