Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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verloren! Wäre nur erſt ſein Haus gewonnen! Ich muß es haben, ich will es haben. Oh, und ich werde mich dem König unentbehrlich zu machen wiſſen! Ich werde ſchmeicheln und lobpreiſen, ich werde die geheimſten ſeiner Wünſche belauern und unausgeſprochen ſie er⸗ füllen, ich werde ihn zwingen mich zu ſeinem Vertrauten, ſeinem maitre de plaisir zu machen. Ja, ja, das ſchöne Haus in der Jägerſtraße wird mir gehören! Das habe ich mir geſchworen und Fredersdorf hat mir ſeinen Beiſtand zugeſichert. Und jetzt zum König! Ich muß ſehen, ob dieſes junge Königskind wirklich, wie der Herkules in der Wiege, ſchon am erſten Tage ſeiner Geburt Schlangen zu zer⸗ reißen verſteht, oder ob er nicht auch nur eben ein König iſt, wie alle Könige. Das heißt, der Schmeichelei zugänglich, eitel und ſtolz, und kein Geſetz über ſich wiſſend und anerkennend als ſeinen eigenen Willen, und ſein bon plaisir? Aber horch, iſt das nicht die Stimn des Königs? Zu wem ſtpricht er denn jetzt?

Herr von Pöllnitz eilte weiter in den nächſten Saal. Da ſtand der König in der Mitte ſeiner Miniſter und einer Deputation des Magiſtrats von Berlin, im Begriff ſie zu entlaſſen.

Ich befehle Ihnen, ſchloß der König ſo eben ſeine Anrede an die Miniſter, ich befehle Ihnen, ſo oft Sie es nöthig halten, gegen meine Befehle und Anordnungen, Einwendungen und Vorſtellungen zu machen, und bei deren Wiederholung nicht zu ermüden, wenn ich jemals unglücklicherweiſe das Wohl meiner Unterthanen aus den Augen verlieren ſollte! Denn ich will, daß künftig, wofern etwa mein beſonderes Intereſſe dem allgemeinen Beſten meiner Lande zu⸗ wider erſcheinen möchte, alsdann dieſes Letztere jederzeit vor dem Erſtern den Vorzug erhalten ſoll!*)

Ah, es wird ſehr ſchwer ſein, dieſes Herkuleskind zu zähmen, murmelte Pöllnitz, dem König nachblickend, welcher eben den Saal verlaſſen hatte. Die Schlangen, mit denen wir ihn umwickeln wollen,

*) Des Königs eigene Worte. Preuß, Jugezogeſchichte Friedrich des Großen, pag. 325.. 4 3