— 142—
Sie werden Ihrer Aemter und Würden verluſtig erklärt und aus Berlin verbannt, das iſt das Ganze. Der König hat Sie alſo be⸗ gnadigt, wie Sie ſehen! Er hätte Sie hinrichten oder auf Lebens⸗ lang nach Spandau ſchicken können, aber er wollte ſeine Thron⸗ beſteigung nicht mit Ihrem Blute entweihen, deshalb hat er Sie be⸗ gnadigt.
Laſſen Sie mich fort, ich erſticke ſonſt! keuchte Eckert, zitternd und leichenblaß.
Pöllnitz hielt ihn noch immer zurück. Aber wiſſen Sie denn nicht, guter Mann, daß drunten auf dem Schloßhof Tauſende von Menſchen ſtehen? Können Sie nicht bis hierher ihr Jauchzen und Schreien vernehmen? Nun, dieſes Jauchzen und Hurrahrufen würde ſich in ein Gebrülle der Wuth verwandeln, wenn das Volk Sie ſähe, mein lieber Eckert, und in ſeinem Zorn möchte es Sie als einen guten Braten betrachten, um damit ſeinen Hunger zu ſtillen. Denn Sie wiſſen doch, daß das Volk hungert, Sie, welcher die königlichen Kornſpeicher füllte und dann große Schlöſſer und Riegel vor die Thüren legte, damit das Volk in ſeines Hungers Verzweiflung dieſe Thüren nicht ſprengen ſollte. Sie, welcher dennoch dem König immer ſchwur, daß das Volk genug habe um zu leben und ſeines Korns nicht bedürfe und ſeiner Hülfe. Ach, hören Sie, das Volk jauchzt ſchon wieder! Ich halte Sie nicht mehr zurück. Gehen Sie hin und ſehen Sie, wie glücklich das Volk iſt, denn der junge König hat befohlen, die Kornſpeicher zu öffnen, der König hat unter die Soldaten, welche ſchon ſeit drei Tagen kein Brot mehr gehabt, Brot vertheilen laſſen und die Acciſe für Mehl auf einige Monate aufgehoben*). Gehen Sie, Eckert, gehen Sie, um zu ſehen, wie glücklich das Volk iſt! 1
Mit einem wilden Fluch ſtürzte Eckert von dannen. Pöllnittz blickte ihm mit einem ſpöttiſchen Lachen nach. Die Rache iſt doch ſüß, ſagte er dann hoch aufathmend. Er hat mich oft gekränkt, jetzt habe ich es ihm mit Wucherzinſen zurückgegeben. Er iſt hin und
—— 3
*) König: Hiſtoriſche Schilderungen von Berlin. Theil 5. Bd. I, pag. 4.


