Ja, Majeſtät, aber dies Mal war es das Pferd des Barons von Willich, welcher die Nachricht brachte, daß der König Friedrich Wilhelm geſtern in Potsdam geſtorben iſt.— Hier, Majeſtät, iſt ein Riechfläſchchen— erlauben Sie, daß ich dieſes flüchtige Salz—
Die junge Königin wehrte Beides zurück, ſie fühlte durchaus nicht die Anwandlung einer Ohnmacht. Ihr Herz ſtand nicht ſtill, ſondern hämmerte und pochte mit glühender Gewalt in ihrer hochath⸗ menden Bruſt.
Und hat der Baron von Willich keinen Brief für mich? fragte ſie athemlos.
Doch, Majeſtät! Hier iſt er!
Die junge Königin ſtieß einen Freudenſchrei aus und zerbrach mit ungeſtümer Haſt das Siegel des ihr dargereichten Briefes.
Er enthielt nur wenige Zeilen, aber ihr Gemahl ſelber hatte ſie geſchrieben und ſie waren für ſie bedeutungsreich und inhaltsſchwer. Eine Zukunft voll Glanz und Glück, voll Liebe, Hingebung und Entſagung lag für ſie in dieſen Zeilen.— Der König rief ſie an ſeine Seite, damit ſie mit ihm zugleich die Huldigungen und Glück⸗ wünſche ihrer Unterthanen empfange. Es iſt wahr, der Brief ent⸗ hielt kein einziges zärtliches oder liebevolles Wort, keinen einzigen warmen Herzſchlag des Gefühls, aber der König rief ſie doch zu ſich, er nannte ſie doch:„meine Gemahlin.“ Er dachte alſo nicht daran, ſich von ihr zu ſcheiden, ſie hinaus zu ſtoßen in Verbannung und Schmach. 4
Fort alſo, fort nach Berlin, wo ihr Gemahl ſie erwartet, wo das Volk ſie begrüßen wird als Königin, wo eine neue Welt, ein neues Leben ſich vor ihr entrollen wird, eine Welt des Glanzes, der Pracht, ein Leben voll ſtolzer Genüſſe und verſchwiegener Seligkeit. Denn Eliſabeth wird Königin ſein und die Gemahlin Friedrichs, des ſchönen, des glänzenden und bezaubernden Friedrichs!
Auf denn nach Berlin! Die Equipagen ſtehen ſchon im Hof⸗ die Pferde ſcharren und wiehern, die Dienerſchaft läuft hierhin und dorthin, die ſonſt ſo ſtillen Säle hallen wieder vom Geräuſch der Stimmen, Alles iſt Bewegung, Unruhe und wilder Haſt.


