—
1
der Herold, der den Anfang einer neuen Sonne, eines neuen Zeit⸗ alters, eines neuen Preußens verkündet.
Jetzt wird es wieder lebendig im Schloß, jetzt ſieht man wieder Licht hinter den Fenſtern erſcheinen, jetzt rennt Alles hierhin und dorthin, über Treppen und Corridore. Jeder will der Erſte ſein, welcher es dem Freunde verkündet, Jeder brennt vor Begierde, ſie auszuſchreien, dieſe Jubelbotſchrift:„Friedrich iſt nicht mehr der Kronprinz! Friedrich iſt König und Herrſcher in Preußen!“
Da klopft es an Bielfeld's Thür, da weckt es ihn mit lautem Pochen und Dröhnen, und er ſpringt empor, um dem Freunde Kno⸗ belsdorf die Thür zu öffnen.
Auf, auf, mein Freund! ſagte der dicke Knobelsdorf, laut ächzend hereinſtürzend. Kleide Dich an, ſo raſch Du kannſt! Wir müſſen Alle hinunter zur Königin und ihr gratuliren, wir müſſen uns Alle bereit halten, ſie ſofort nach Berlin zu begleiten! Friedrich Wilhelm der Erſte iſt todt, und wir ſind jetzt König in Preußen!
Ach, das iſt wieder ein Mährchen, ſagte Bielfeld, eilig ſich an⸗ kleidend. Ein Mährchen, mit dem ir armen, verzagten Kinder ſchon zu oft eingewiegt ſind, um es no r Wahrheit halten zu können.
Nicht doch. Diesmal iſt es Wahrheit! Der König iſt todt, ganz todt! Jordan hat Befehl, die Leiche öffnen und einbalſamiren zu laſſen! Und Du begreifſt, daß, wenn der ihn erſt einmal unter Händen hat, er nicht wieder aufleben wird.*)
Und Knobelsdorf lachte ſo herzlich über ſeinen Witz und warf ſich dann ſo erſchöpft auf einen Stuhl, daß er dabei den kleinen Tiſch gar nicht gewahrte, der dicht daneben ſtand und der jetzt mit einem lauten Gepolter umfiel und zu Boden ſtürzte.
Ach, was thuſt Dul rief Bielfeld ängſtlich. Du haſt all' mein geſtern gewonnenes Geld verſchüttet und auf die Erde verſtreut! Das i*ſt aber eine zu koſtbare Saat, als daß ich ſie dürfte liegen laſſen! 4
*) Bielfeld. Vol. I. pag. 106.


