Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Nein, ſagte ſie, nein, er will mich nicht verſtoßen. Da ſteht es geſchrieben.Nur noch wenige Tage, und ich und das Land werden Sie als Königin begrüßen! Nein, er wird nicht ſo grauſam ſein, mir erſt die Krone auf's Haupt zu ſetzen, um es nachher mit Aſche zu beſtreuen! Wenn er mich vor ſeinem ganzen Volke, vor ganz Deutſchland als ſeine Gemahlin, ſeine Königin anerkennt, dann hat er auch den ernſtlichen Willen, mich niemals zu verſtoßen, ſondern mich immer an ſeiner Seite zu laſſen. Oh, er weiß gewiß, wie ſehr ich ihn liebe, obgleich ich niemals den Muth gehabt, es ihm zu ſagen! Meine Augen, meine Seufzer haben es ihm geſagt, und er hat Mit⸗ leid mit einem armen Weibe, welches ja nichts weiter verlangt, als ihn anſchauen, ihn lieben, ihn anbeten zu dürfen! Und wer weiß, ob nicht doch eines Tages dieſe große, wünſcheloſe, reſignirte Liebe ſein Herz rührt, ob er nicht eines Tages doch ſich bücken, und dieſes arme Herz, das zu ſeinen Füßen zuckt, aufheben und an ſeinen Buſen drücken wird. Gieb das, mein Gott, gieb das, und dann laß mich ſterben!

Sie ſank auf ihr Lager und drückte das Papier an ihre Lippen und flüſterte ganz leiſe: gute Nacht, Frederie! Mein Frederic! Ein ſeliges Lächeln ſtand noch auf ihren Zügen, als ſie ſchon ſchlief, vielleicht träumte ſie von ihm.

Bald herrſchte eine tiefe Stille in dem Schloſſe. Die Lichter erloſchen hier und da, die Fenſter wurden dunkel. Der Schlaf breitete ſeine Schwingen über alle dieſe ſo ungeduldig und erwartungsvoll klopfenden Herzen und fächelte ſie zum Vergeſſen und zur friedlichen Ruhe ein.

Sie ſchlafen Alle! Und doch kommt gerade jetzt der lange er⸗ wartete Courier auf der Straße daher geſprengt. Jetzt paſſirt er die Brücke. Ihr hölzerner Boden erdröhnt unter dem Hufſchlag des Pferdes, und doch hört ihn Niemand. Sie ſchlafen Alle ſo feſt! Da klopft er an's Thor, laut, weithin hallend! Das iſt der Bote

der neuen Zeit, welche eben ihre erſten Strahlen der Morgenröthe über den dunklen Trauerflor der begrabenen Zeit ergießt! Das iſt