Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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ſchleichende Sonne, endlich war es doch Abend geworden, und immer noch hatte kein Courier die Brücke paſſirt.

Man mußte ſich alſo entſchließen, der Einladung der Kronprin⸗ zeſſin zu gehorchen und zum Kartenſpiel in ihre Gemächer gehen. Und dieſes Kartenſpiel hatte heute, wie immer, für die Bewohner von Rheinsberg eine magiſche Gewalt, denn es galt, etwas von dem zu gewinnen, woran nicht blos der Kronprinz, ſondern auch ſeine Cavaliere immer Mangel litten, es galt etwas Geld zu gewinnen. Graf Wartensleben war ſeit einigen Tagen da, und er hatte eine wohlgefüllte Börſe mitgebracht, welche Baron Bielfeld, Kaiſerling und Chazot ſehr zu erleichtern wünſchten.

Die Kronprinzeſſin ſpielte in ihrem Cabinet mit ihren Damen eine Partie Triſſet, während die übrige Geſellſchaft im Vorſaal, an verſchiedenen Tiſchen, ſich mit dem damals ſo geliebten Kartenſpiel Quadrille vergnügte.

Plötzlich öffnete ſich die Thür und der Kammerdiener der Prin⸗ zeſſin trat herein. Wie er an dem Tiſch vorüberging, an welchem Graf Wartensleben und Baron Bielfeld mit einigen Damen ſpielten, zeigte er ihnen verſtohlen einen großen, ſchwarzgeſiegelten Brief, den er im Begriff war, zu der Prinzeſſin zu tragen. Der König iſt alſo todt, ziſchelte und murmelte man unter einander, und Bielfeld und Wartensleben und ihre Damen warfen eilig ihre Karten auf den Tiſch; die Matadore verwirrten ſich unter einander, aber man ſah das mit Verachtung an. Was kümmerten ſie die Matadore und einige verlorene Groſchen jetzt, wo ihr Kronprinz König geworden war?

Graf Wartensleben ſtand auf und nahm ſeinen Hut und ſagte mit feierlicher Miene: ich will der Erſte ſein, die Prinzeſſin als Kö⸗ nigin zu grüßen, und ich werde alle Schwingen meiner Beredſamkeit anſchwellen laſſen, um das Wort Majeſtät recht voll und majeſtätiſch ausſprechen zu können.*)

Ich folge Ihnen! flüſterte Bielfeld feierlich, und Beide näherten

*) Bielfeld, Vol. I. pag. 106.