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Plötzlich hielt Bielfeld inne in ſenner Lectüre und ſtarrte nach dem Fenſter.
Nun, weshalb leſen Sie nicht nnchr⸗ fragte die Kronprinzeſſin.
Verzeihung, aber mir ſchien, als ob ich drüben an der Brücke eben einen Pferdekopf geſehen.
Sofort, wie auf ein gegebenes Zeichen, erhoben ſich Alle von ihren Sitzen und ſtürzten nach den Fenſtern, ſelbſt die Kronprinzeſſin hatte ſich von der allgemeinen Bewegung hinreißen laſſen und war an eins der Fenſter geeilt.
Richtig! Da drüben zwiſchen den Bäumen regt ſich etwas! Jetzt kommt es auf die Brücke! Jetzt—
Ein allgemeines Gelächter ertönte. Ein Ochſe! Der Courier des Barons von Bielfeld hat ſich in einen Ochſen verwandelt!
Beſchämt ſchlich die Geſellſchaft wieder zu ihren Sitzen zurück und die Vorleſung begann auf's Neue. Aber dies dauerte nicht lange. Bald ließ Bielfeld das Buch wieder ſinken. Verzeihung, Königliche Hoheit, aber diesmal iſt es ganz beſtimmt ein Pferd, wel⸗ ches da auf die Brücke zutrabt!
Und wieder eilte Alles den Fenſtern zu und blickte in geſpannter Erwartung hinüber.
Allerdings! Es war ein Pferd, aber der Reiter, welcher darauf ſaß, war kein königlicher Bedienter, ſondern ein einfacher Bauersmann.
Ich ſehe, ſagte die Kronprinzeſſin lächelnd, wir müſſen die Lec⸗ türe aufgeben. Laſſen Sie uns eine Promenade in den Garten machen, aber wohlverſtanden, auf dem linken Flügel des Gartens und mög⸗ lichſt nahe am Gitter.
Die Sonne will immer noch nicht untergehen! flüſterte Baron Bielfeld dem Grafen Wartensleben zu, als ſie im Garten auf⸗ und abwandelten. Ich fürchte, ein neuer Joſua hält ſie in ihrem Laufe zurück.*)
Aber endlich mußte ſie doch hinabſinken, dieſe träge, langſam
*) Bielfeld, Vol. I. pag. 106. 9*


