Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Es iſt dieſer, Königliche Hoheit, daß ſie auf dem rechten Flügel des Schloſſes liegen.

Die Kronprinzeſſin ſah ihn erſtaunt und fragend an, dann flog ein Lächeln über ihr Antlitz hin. Ach, ſagte ſie, jetzt begreife ich! Meine Zimmer liegen auf dem rechten Flügel des Schloſſes, das heißt, Sie können alsdann dieſe große Brücke nicht beobachten, welche hinüber führt auf die Straße und welche alle Diejenigen paſſiren müſſen, die von Berlin oder Potsdam kommen. Sie haben Recht, dies iſt ein großer Fehler meiner Zimmer. Aber der Muſikſaal liegt auf dem linken Flügel und Sie können von dort aus die Brücke und die ganze Straße beobachten. Gehen wir alſo in den Muſikſaal zur Vorleſung, und erſt, wenn es dunkel geworden, und Sie die Brücke nicht mehr ſehen können, werden wir zum Kartenſpiel hinüber gehen in meine Zimmer.

Man folgte der Kronprinzeſſin in den Muſikſaal, an deſſen Wänden ringsherum kleine, mit blaßrothem Atlas bezogene Divans ſtanden. Sei's Zufall oder Neckerei, die Kronprinzeſſin wählte den von den Fenſtern entfernteſten dieſer Divans, und nöthigte dadurch die Geſellſchaft, dort ſich um ſie zu ſchaaren. Aber indem man ihr folgte, warf Jeder einen ſehnſuchtsvollen, neugierigen Blick nach dem Fenſter hin und nach der Brücke, über welche der Bote des Glückes in jedem Moment ſeinen Einzug halten konnte.

Herr von Bielfeld nahm indeſſen das Buch zur Hand und be⸗ gann die von der Kronprinzeſſin geforderte Lectüre. Aber welch eine Folter war dies, zu leſen, während draußen in jedem Moment der erwartete Courier die Brücke paſſiren konnte, zuzuhören dieſen pathe⸗ tiſch und gemeſſen einherſchreitenden Alexandrinern der Henriade, während in Potsdam vielleicht eben ein neuer Alexander die Krone auf ſein jugendliches, ſchönes Haupt ſetzte!

Auch hörte man in der That wenig von dieſen Verſen, und achtete wenig auf ihre harmoniſchen Klänge. Jeder blickte verſtohlen hinüber nach den Fenſtern, und lauſchte athemlos auf jeden Ton, der von der Straße herüber tönet.