Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Kindern und Dienern, ſein mattes Haupt gelehnt an die Schulter ſeiner Gemahlin, und aufmerkſam der Lectüre zuhörend, welche von ihm, dem noch lebenden, denkenden, empfindenden Weſen, als von einer erkalteten, todten, gefühlloſen Maſſe ſprach, einem weſenlofen verächtlichen Etwas, das man wäſcht und ankleidet und in einen Kaſten einſperrt, um es der eklen Verweſung, dem wüſten Fraß raub⸗ gieriger Würmer zu übergeben!— Nicht wie von einem Trauerfeſt, ſondern nur wie von einer vor ſeinem Sarge gehaltenen Parade, hatte der ſterbende König in dieſer letzten Verordnung geſprochen, und eine zugleich ſchauerliche und tragikomiſche Wirkung machte es, daß der König ausdrücklich verfügte, es ſolle nach ſeiner Beiſetzung im großen Saale für Alle, welche der Ceremonie beigewohnt, glänzende Tafel ſein, und dabei ſollte nicht allein das beſte Faß Rheinwein aus des Königs Keller, ſondern überhaupt vieler, aber nur guter Wein getrunken werden*).

Und nachdem Friedrich Wilhelm ſo für ſeine Leiche geſorgt, wollte er zuletzt noch von ſeinen Freunden Jedem ein Andenken hin⸗ terlaſſen, ſeinen Lieblingen, dem Fürſten von Deſſau und dem Grafen Haake das Beſte, was er ihnen geben konnte, ein Pferd.

Er befahl, ſeine Pferde aus den Ställen in den Hof fi zu laſſen, und bat die beiden Herren hinunter zu gehen, und ſich jeder eins dieſer Pferde auszuſuchen. Dann ließ er ſich in einem Roll⸗ ſtuhl an eines der Fenſter rollen und es öffnen. Von hier aus konnte er den ganzen Hof überſchauen, und jedem dieſer Thiere, die ihn ſo oft zu Feſten und Paraden getragen, einen letzten Abſchiedsblick geben! Ach welche köſtliche, glanzvolle Tage waren das geweſen, wenn der König, leicht ſich emporſchwingend auf eins dieſer ſtolzen, ſcharrenden Thiere, hinausgeritten war in die friſche freie Gottesluft, überall demüthig gegrüßt von ſeinen Unterthanen, überall empfangen von Trommelwirbel und Trompetenſchall, und in jedem Moment ſeiner Größe und Herrlichkeit ſich bewußt werdend durch die Kleinheit, die Demuth alles deſſen, was ihn umgab.

*) Pöllnitz, Vol. II, pag. 370.

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