Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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XIV. Le roi est mort. Vive le roi!

Es ging zu Ende mit dem Leben König Friedrich Wilhems des Erſten! Vorbei war es mit der Macht und Größe, vorbei mit aller erträumten Herrlichkeit! Der Geiſt hatte lange gekämpft gegen den Körper, jetzt, nach qualvollen Monden heimlicher Schmerzen, ver⸗ ſchwiegener Pein mußte er ſich für überwunden erklären, für beſiegt von dem Tode. Die ſteife Uniform paßt nicht mehr für die ver⸗ fallende Geſtalt, die Etiquette und das Ceremoniel ſind von dem großen und allgebietenden Herrſcher, dem Tode, zurückgedrängt wor⸗ den. Das iſt kein König mehr, ſondern ein ſterbender Menſch, nichts weiter! Ein Vater, welcher Abſchied nimmt von ſeinen Kindern, ein Gatte, welcher zum letzten Male ſein Weib umarmt, auf ihre thrä⸗ nenfeuchten Wangen die letzten Küſſe preßt und heimlich in ihr Ohr die Bitte um Vergebung für manche erduldete Härte, manche erlittene Grauſamkeit flüſtert.

Friedrich Wilhelm hat ſeinen Frieden gemacht mit Gott und der Welt. Sein ſtolzer Sinn iſt gebrochen, ſein hartes Herz iſt erweicht! Er hatte ſich lange genug in dem Hochmuth ſeines Herzens geſträubt gegen die Erkenntniß ſeiner eigenen Sünden! Aber ein tapferer und beherzter Prieſter, der Probſt Roloff, war an ſein Lager getreten, und das ſchlummernde Gewiſſen des Monarchen hatte er erweckt mit ſeinen Vorwürfen und Beſchuldigungen. Vergebens hatte der König auf alle dieſe Anſchuldigungen des Prieſters anfangs immer mit ſtolzem Selbſtbewußtſein geantwortet:„Ich habe doch niemals das ſechſte Gebot verletzt! Ich bin meiner Frau niemals untreu ge⸗ weſen!“*) Roloff ſprach immer wieder von ſeinen Sünden und Vergehen, von ſeinen Erpreſſungen und Bedrückungen, von dem Menſchenhandel, den er für ſeine geliebte Garde getrieben, und end⸗

— *) Thiébault, Vol. II., p. 44.