Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 116—

ergriff jetzt die Vaſen, die Schalen von Kryſtall und Porzellan und ſchleuderte Alles mit wildem Jauchzen zu Boden*).

Aber mitten in dieſer allgemeinen Verwirrung öffnete ſich plötz⸗ lich die Thür und Fredersdorf, einen Brief in der Hand haltend, erſchien auf der Schwelle.

Sein ungerufenes Erſcheinen in dieſem Saal war etwas ſo Außergewöhnliches, Unerhörtes, daß es nur durch etwas Ueber⸗ raſchendes, Außerordentliches konnte gerechtfertigt werden.— Das fühlten Alle trotz ihrer wilden Aufgeregtheit, ihrer brauſenden Fröh⸗ lichkeit. Es trat daher augenblickliche Stille ein und Jeder blickte er⸗ wartungsvoll und geſpannt auf den Kronprinzen, der ſoeben den Brief aus Fredersdorfs Händen empfangen und ihn erbrochen hatte.

Jetzt erblaßte der Kronprinz und das Papier zitterte in ſeinen Händen. Haſtig erhob er ſich von ſeinem Sitz.

Meine Freunde, ſagte er feierlich, das Feſt iſt zu Ende! Ich muß ſogleich nach Potsdam. Der König iſt gefährlich erkrankt! Leben Sie wohl!

Und ſeiner Gemahlin den Arm bietend, verließ er mit ihr den Saal. Schweigend erhoben ſich die eben noch ſo heiteren Gäſte, ſchweigend ſchlich Jeder in ſein Gemach, und nur hier und da hörte man verſtohlenes Flüſtern, begegnete man bedeutungsvollen, fragenden Blicken.

Bald herrſchte eine tiefe, ſchauerliche Stille im Schloſſe zu Rheinsberg. Jedermann ſchlief, oder er gab ſich doch den Anſchein, zu ſchlafen.

*) Bielfeld, pag. 86.

——