Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

112

teſten italieniſchen Abenteuer und Quanz fand ſogar den Muth, des Kronprinzen Lieblingshund, die Biche, welche er als ſeine Rivalin haßte und die eben ſeine Füße beſchnüffelte, mit einem kräftigen Fuß⸗ tritt von ſich zu ſtoßen. Der Kronprinz allein hatte ſeine edle, freund⸗ liche und würdige Haltung bewahrt. Inmitten dieſer allgemeinen Aufregung war er, wie der ſtarke Mann des Horaz, der, Zeuge des Zuſammenſturzes der ganzen Welt, mit ruhigem und heiterm Auge die entſtehenden Ruinen betrachtet*).

Die Kerzen waren tief ſchon hinabgebrannt und höher ſchon leuchtete die Champagner⸗Illumination in den Köpfen der Männer empor. Nur der Kronprinz und der junge Baron Bielfeld waren noch frei davon.—

Auch der Bielfeld muß ſeinen Theil haben an der allgemeinen Jllumination, ſagte der Kronprinz lächelnd, zu ſeiner Gemahlin, indem er ihn zu ſich winkte, um mit ihm anzuſtoßen auf das Wohl ſeiner in Hamburg zurückgelaſſenen Braut.

Während Bielfeld ſeinen Platz verlaſſen hatte, und zu dem Kron⸗

prinzen herübergekommen war, gab die Kronprinzeſſin leiſe und eilig einem der Bedienten ihre Befehle. Sie hatte geſehen, daß Bielfeld, um ſein heißes Blut zu kühlen, ganze Gläſer Waſſer aus der vor ihm ſtehenden Waſſerkaraffe ge⸗ trunken hatte. Sie ließ alſo dieſes Waſſer ausgießen und ſtatt deſſen die Waſſerflaſche mit Silleri füllen, der ſo weiß und klar war, wie Waſſer aus einer Felſenquelle. Der arme Bielfeld auf ſeinen Platz zurückkehrend und ſein Blut noch mehr erhitzt fühlend von der Er⸗ innerung an ſeine Braut, füllte den großen Waſſerkrug bis zum Rande, und trank, ohne es zu bemerken, ſtatt des kühlen Waſſers den glutvollen Silleri**).

Die Kronprinzeſſin, welche noch immer daſſelbe Ziel verfolgte und nur zu wiſſen ſtrebte, wer von den Damen die bezaubernde Leontine ſei, wollte jetzt einen letzten entſcheidenden Schlag wagen.

*) Bielfeld, Vol. I, pag. 87. **) Ebendaſelbſt pag. 85.