Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Mit einem anmuthigen Lächeln ſich zu Bielfeld hinüberneigend fragte ſie: Der Kronprinz ſprach von Ihrer Braut. Man darf Ihnen alſo gratuliren? Bielfeld, welcher nicht zu ſagen wagte, daß er im Begriff ſtehe, dieſe Braut treulos zu verlaſſen, verneigte ſich ſtumm. Darf man den Namen Ihrer Braut wiſſen? fragte die Kron⸗ prinzeſſin. Fräulein von Randau! murmelte Bielfeld und trank, um ſeine Verlegenheit zu cachiren, ein zweites Glas Waſſer⸗Silleri hinunter. ne Fräulein von Randau! wiederholte die Kronprinzeſſin lächelnd. Wie kalt, wie ceremoniös das klingt, wie phyſiognomielos. Um eine Dame ſich vorſtellen und vergegenwärtigen zu können, muß man vor allen Dingen ihren Vornamen wiſſen, denn die Vornamen ſind immer gewiſſermaßen ein Theil ihres Characters. Wie heißt Ihre Braut? Regina, Königliche Hoheit. Regina! Das iſt ein ſchöner Name! Eine ganze Prophezeihung des Glückes! Denn ſie wird immer die Königin Ihres Herzens „ bleiben! Ach, ich verſtehe mich auf die Bedeutung der Namen, und daheim im Vaterhauſe nannte man mich deshalb immer die Shbille, denn meine Vorherſagungen trafen immer ein! Ich will Ihnen jetzt Allen aus Ihren Vornamen ein Prognoſticon ſtellen und Ihnen Ihre Zukunft prophezeihen, meine Damen! Fangen wir an! Wie heißen Sie, liebe Oberhofmeiſterin?

Und während die Kronprinzeſſin, anſcheinend ganz harmlos, ſo ſprach, lächelte ſie und ſpielte nachläfſig mit dem ſchönen venetianiſchen Glaſe, welches vor ihr ſtand. Der Kronprinz allein ſah, was Nie⸗ mand außer ihm beachtete, er ſah, daß dieſe Hand, welche ſo arglos mit dem Glaſe zu ſpielen ſchien, heftig zitterte, daß, während ſie 8 lächelte, ihre Lippen bebten und ihr Athem keuchend und ſieberhaft aus ihrer Bruſt hervorquoll.

Er begriff, was dieſe Prophezeihung aus den Vornamen zu be⸗ deuten habe, er begriff, daß die Prinzeſſin den Inhalt des Gedichtes kannte. Verſchweigen Sie Ihren Namen! flüſterte er raſch der Frau Friedrich der Große. I. 8