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und ſtill. Dann und wann fiel eins der Papierſtreiſchen vor ihr nieder; ſie ſammelte ſie mechaniſch auf, aber blies ſie nicht weiter, ſondern betrachtete ſie mit trüben, ſchmerzvollen Blicken. Plötzlich zuckte ſie zuſammen und ein glühendes Roth überflog ihr Antlitz. Sie hatte da auf einem dieſer Papierſtreifen zwei Worte geleſen, welche ihr Herz erbeben machten vor Zorn und Schmerz. Dieſe 1 beiden Worte hießen:„Bezaubernde Leontinen.
Das Geheimniß war alſo enthüllt! An Leontine war dieſes Gedicht des Kronprinzen gerichtet, an eine bezaubernde Leontine, und nicht an Eliſabeth! Aber wer war ſie? Wer von dieſen Damen hieß Leontine?
Sie mußte, ſie wollte das wiſſen. Sie raffte all' ihren Muth zuſammen, ſie ſtachelte mit ihren eigenen Schmerzen ihr Herz empor zu wilder, trauriger Luſtigkeit, ſie begann plötzlich einzuſtimmen in die allgemeine Fröhlichkeit, und fing an zu lachen und zu ſcherzen und fröhlich zu plaudern, mit dem Kronprinzen ſowohl und der Frau von ¹. Morien, als auch mit dem jungen Baron von Bielfeld, der ihr gegen⸗ über ſaß.
Niemals hatte man die Kronprinzeſſin ſo heiter, ſo ungezwungen und witzig geſehen. Niemand ahnte, daß dieſe Scherze und dieſes Lachen nichts weiter ſeien als die maskirten Schmerzen, die ihre Seele folterten, und daß ſie den Klageſchrei ihres Herzens nur unter dem Lachen ihrer Lippen verhüllte!
Die Lichter waren halb ſchon herunter gebrannt, und ſchon be⸗ gann bei Einigen dieſer heitern Tafelrunde die Champagner⸗Illumi⸗ nation, welche der Kronprinz prophezeit hatte, ihre erſten Lichterchen anzuzünden. Chazot declamirte nicht mehr, ſondern er ſang ſchon einige jener reizenden Chanſons, wie er ſie in ſeinem Vaterlande, der Normandie, oft den ſchmucken lebensluſtigen Bäuerinnen abgelauſcht, Jordan improviſirte eine Predigt, in der Art der fanatiſchen, heuch⸗ leriſchen und ſcheinheiligen Prieſter, wie ſie ſeit einiger Zeit in Berlin ihr Weſen trieben, Kaiſerling hatte ſich von ſeinem Sitz erhoben und machte eine Attitüde, wie er ſie in Paris von dem berühmten Lagièére in dem Ballet die Syrene geſehen. Knobelsdorf erzählte ſeine pikan⸗
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