Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Doch, mein Gemahll rief die Kronprinzeſſin lebhaft. Ich glühe vor Verlangen, es kennen zu lernen.

So erlauben Sie mir, daß ich ſofort Ihr Verlangen befriedige, ſagte der Kronprinz, ſeine Hand hinreichend, um das Gedicht zu empfangen.

Die Prinzeſſin zögerte, aber als ſie ihren Gemahl anſah, be⸗ gegnete ſie ſeinen Augen, die mit ſo kalten, gebieteriſchen Blicken auf ſie gerichtet waren, daß ſie erbebte und es wie eine eiſige Hand über ihr Herz rieſeln fühlte.

Sie zog das Gedicht aus ihrer Kleidertaſche hervor und reichte es ſchweigend ihrem Gemahl dar.

Jetzt, mein kleines Hoffräulein von Schwerin, ſagte der Kron⸗ prinz lachend und mit erhobener Stimme, jetzt ſoll dieſe ganze hoch⸗ weiſe, hochehrbare und hochwürdige Geſellſchaft als Richter zwiſchen mir und Ihnen zu Tiſche ſitzen und entſcheiden, ob dieſes Papier, wie das höchſt ſittſame und zärtliche Kind behauptet, ein Brief von ihrer lieben Mutter ſei, oder, wie ich behaupte, ein Gedicht, welches ein gewiſſer Prinz geſchrieben, der zuweilen an der Krankheit des Verſemachens leidet und dann allerlei Jmaginationen und Phantaſien hat. Hören Sie alſo, meine Herren und Damen, und ſeien Sie Richter zwiſchen uns. Aber damit Niemand glaube, daß ich etwas Anderes leſe, als was daſteht, und die zärtlichen Worte mütterlicher Liebe in die noch zärtlicheren Gefühle eines Liebhabers überſetze, ſoll Frau von Morien mit mir in dieſes Papier ſchauen und bezeugen, daß ich die Wahrheit leſe.

Er reichte Frau von Morien das Papier hin und das Haupt leicht zu ihr hinneigend, begann er zu leſen. Die erſten Verſe ſo, wie ſie da geſchrieben ſtanden, dann aber, übergehend in eine freie

Improviſation, recitirte er ein von Uebermuth, Geiſt, Laune und

Witz ſprudelndes Gedicht, das eben ſo ſehr eine Huldigung für ſeine Gemahlin war, als es reich war an pikanten Beziehungen und An⸗ ſpielungen und ſanglanten Scherzen, die Jedermann verſtand, und die dann und wann ein Jauchzen des Beifalls bei der Tiſchgeſell⸗ ſchaft hervorriefen. Während er las, was nicht daſtand, hatte Frau