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neigte ſich ihr Gemahl mit einem bezaubernden Lächeln zu ſeiner Nachbarin, eben flüſterte er ihr einige Worte zu, und Frau von Morien erröthete und ſchlug die Augen nieder und hob ſie dann wieder, um ihn mit flammenden Blicken anzuſchauen und mit zittern⸗ den Lippen einige Worte zu flüſtern, die ſo leiſe waren, daß nur der Kronprinz ſie verſtehen konnte. Wie? Sollte ſie es ſein?— Aber nein! Das war ja unmöglich! Dieſes leichtfertige, koquette, oberflächliche Weib konnte unmöglich den edlen, großſinnigen, genialen Kronprinzen gefeſſelt haben, nicht ſie konnte Eliſabeths beglückte Ri⸗ valin ſein! 1
Wer war ſie denn? Ach, wäre doch erſt dieſes ewig lange Mahl zu Ende! Könnte ſie doch erſt allein ſein in ihren Gemächern, um das Gedicht zu leſen, welches ohne Zweifel eine Löſung dieſes Räthſels, welches den Namen der Geliebten enthalten mußte.
Aber es ſchien, als ob der Kronprinz dieſen Wunſch ſeiner Ge⸗ mahlin errathen hätte und ihn ſofort hintertreiben wollte. Man war heute ſehr ſpät, erſt um ſechs Uhr zur Tafel gegangen, jetzt war es dunkel geworden und man brachte hohe Armleuchter mit Wachskerzen, welche die Tafel erleuchteten.
Die Lichter brennen! rief der Kronprinz. Wir wollen uns nicht eher von der Tafel erheben, als bis die Lichter erloſchen ſind und dafür eine leichte Champagner⸗Illumination in unſeren Köpfen be⸗ gonnen hat!*)
Und man ſprach und lachte, und flüſterte und declamirte, und trank und jubelte weiter, und das Herz der Kronprinzeſſin ward immer ſchwerer, immer trauriger.
Plötzlich wandte ihr Gemahl ſich zu ihr hin. Die Eitelkeit eines Autors regt ſich ein wenig in mir, ſagte er lächelnd, und ich erlaube mir daher die Frage, ob Sie gar nicht neugierig ſind, das Gedicht zu kennen, welches ich die Ehre hatte, Ihnen heute durch Frau von Brandt zu ſenden?
*) Des Kronprinzen eigene Worte. Bielfeld Vol. I., pag. 84, dem auch theilweiſe die ganze Schilderung dieſes Bankets entlehnt iſt.


