Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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geſtreichelt wird und eigentlich zürnen möchte, aber vor Behagen nicht dazu kommen kann. Immer lauter, immer ſtürmiſcher und ungebundener wurde die Fröhlichkeit der Geſellſchaft, immer höher ſtrahlten die Wangen der Damen, immer zärtlicher und kühner wurden die Worte der Männer. Nur die Kronprinzeſſin ſaß ſchweigend und trübe neben ihrem Ge⸗ mahl, nur ihr Herz war wieder kummervoll und ſchwer. Sie hatte die vorhin erlebte Scene noch einmal überlegt und erwogen, und das Reſultat davon war geweſen, daß ſie jetzt überzeugt war, das Ge⸗ dicht, welches ſie erhalten, ſei nicht an ſie gerichtet geweſen, ſondern an irgend eine Andere, daß ſie ſich ihrer Leichtgläubigkeit ſchämte und erröthete über ihre eigene Eitelkeit. Denn wie wäre es auch möglich, daß Er, dieſer ſchöne, ſtrahlende Mann, der da an ihrer Seite ſaß, deſſen Lippen ſprudelten von Geiſt und Witz, deſſen Stirn leuchtete wie die eines Jupiters, der eben ſo gelehrt als geiſtreich, eben ſo erhaben als liebenswürdig, eben ſo jung und heiter als weiſe und tiefernſt war, wie wäre es möglich, daß Er ſie lieben ſollte, ſie, welche weiter nichts war als jung und ſchön, und außerdem den großen, den unverzeihlichen Fehler hatte, ſeine Gemahlin, und zwar ſeine aufgedrungene Gemahlin zu ſein.— Nein, dieſes Gedicht war 1 nicht an ſie gerichtet! Aber an wen denn? Wer war die Glück⸗ liche, welche das Herz des Kronprinzen beſaß, vor dem ſeine edle, ſtolze Seele ſich in Liebe beugte? Ihr Herz bäumte ſich, wenn ſie — daran dachte, daß eine Andere, nicht ſie dieſes Glück ihr Eigen 4 nannte, und doch, in ihrem edlen und ſanften Sinne zürnte ſie dieſer Anderen nicht. Aber ſie glühete, ihren Namen zu wiſſen, doch, wenn ſie ihn wußte, wollte ſie nicht Rache an ihr nehmen, ſondern für ſie beten, für ſie, welche der Kronprinz liebte, der er vielleicht einige Tage des Glückes, der Seligkeit verdankte.

Aber wer war ſie? Mit prüfendem Blick ließ die Kronprin⸗ zeſſin ihr Auge an all' den Damen vorübergleiten, welche an der Tafel ſaßen. Es waren viel ſchöne, anmuthige Geſichter unter ihnen, Manche von ihnen hatte Geiſt, Lebhaftigkeit, Witz, aber Keine von ihnen war würdig, von dem Kronprinzen geliebt zu werden. Eben

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