Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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zeſſin ihr zürnen werde wegen ihrer Unart; ſie wollte dem ganzen Hof gegenüber nicht wieder wie ein Kind behandelt werden. Sie faßte alſo einen raſchen Entſchluß, ſie mußte die Wahrheit dieſer Behauptung feſthalten, ſie mußte darauf beharren, daß der Brief an ſie gerichtet geweſen.

Frau von Morien wollte mir einen Brief entreißen, der mir gehört, ſagte Louiſe von Schwerin mit einem trotzigen Blick auf dieſe.

Ich hoffe, Ew. Königliche Hoheit kennen dieſes junge übermüthige Kind zu wohl, um ihren Worten Glauben zu ſchenken, ſagte Frau von Morien ausweichend, nicht wagend, den Brief als ihr Eigen⸗ thum einzufordern.

Kind! Sie nennt mich wieder ein Kind, murmelte Louiſe außer ſich vor Zorn und nun feſt entſchloſſen, dieſe Scene, welche Anfangs Scherz geweſen, jetzt bis auf's Aeußerſte fortzuführen und ſich an Frau von Morien zu rächen, indem ſie ſie compromittirte.

Alſo der Brief iſt nicht an Louiſe? fragte die Kronprinzeſſin, ſich an Frau von Morien wendend.

Nein, Königliche Hoheit, er iſt nicht an ſie.

Er iſt an mich, betheuerte das kleine Hoffräulein. Ew. König⸗ liche Hoheit mögen ſich ſelber davon überzeugen. Hier iſt der Brief, wenn Sie die Gnade haben wollen, die Adreſſe zu leſen.

Aber dieſer Brief hat keine Adreſſe! ſagte die Kronprinzeſſin ver⸗ wundert, auf den von Louiſen erhaltenen Brief deutend.

Und doch behauptet Frau von Morien, daß er an ſie gerichtet ſei! rief Louiſe boshaft.

Und doch ſagt Fräulein von Schwerin, daß er ihr gehöre! rief Frau von Morien, Louiſen einen wüthenden Blick zuſchleudernd.

Ich bitte Ew. Königliche Hoheit, Schiedsrichterin zu ſein, ſagte Louiſe von Schwerin.

Wie kann ich das? Wie kann ich wiſſen, wem der Brief gehört, da er keine Aufſchrift trägt? fragte die Prinzeſſin lächelnd.

Indem Ew. Königliche Hoheit die Gnade haben, ihn zu öffnen und zu leſen, ſagte das tolle junge Mädchen ganz zuverſichtlich und mit dem vollſten Schein der Aufrichtigkeit. Der Brief iſt von meiner