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Nein, das iſt nicht Alles! Dieſer Roman hat eine Fortſetzung, ſagte Frau von Brandt mit triumphirenden Blicken, indem ſie einen verſiegelten Brief aus ihrem Buſen hervorzog und ihn der ſchönen Morien darreichte. Da nehmen Sie dieſes Schreiben, es iſt ein neues Capitel Ihres Romans.
Dieſer Brief hat keine Adreſſe, ſagte Frau von Morien lächelnd. An wen iſt er?
Er iſt an Sie.
Nein, er iſt an mich! rief plötzlich eine Stimme hinter ihnen, und eine raſche Hand fuhr wie der Blitz empor und entriß der Frau von Morien das verſiegelte Papier.
Mein, dieſer Brief iſt mein! jubelte das kleine Hoffräulein Louiſe von Schwerin, welche unbemerkt zu den beiden Damen her⸗ angeſchlichen war und gerade im entſcheidenden Moment ſie erreicht und den Brief erfaßt hatte, den ſie jetzt mit erhobenem Arm hoch emporſtreckte.
Der Brief gehört mir, er iſt mein! wiederholte das übermüthige junge Mädchen, mit fröhlichem Lachen vor den beiden entſetzten, ſchreckensbleichen Damen umhertänzelnd. Wer wagt es zu behaupten, daß dieſer Brief, welcher keine Adreſſe hat, nicht an mich gerichtet iſt?
Louiſe, geben Sie mir den Brief wieder, bat Frau von Morien mit zitternder, angſtgedämpfter Stimme. Aber Louiſe fand ein Ver⸗ gnügen daran, ihre ſchöne Freundin ein wenig zu martern und zu ängſtigen und ſich ein wenig zu rächen dafür, daß dieſe ſie immer noch ein Kind nannte und ſie auslachte, wenn Louiſe von ihrem Herzen ſprach und irgend eine geheimnißvolle, große, unglückliche Liebe ahnen ließ. Louiſe wollte ſich jetzt rächen, indem ſie wirklich die Vorrechte eines Kindes beanſpruchte und den neckiſchen Uebermuth eines Kindes entfaltete.
Nehmen Sie den Brief, wenn Sie ihn bekommen können! rief das Hoffräulein, indem ſie wie eine Gazelle durch den Saal ſprang und den Brief wie eine Fahne emporſchwenkte. Nehmen Sie doch den Brief.
Frau von Morien eilte ihr nach, und nun begann ein luſtiges


