Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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und was Gott ſo ſchön zuſammengefügt hat, mit meinen ſchwachen, aber ſchönen Händen noch enger zu verknüpfen? Soll ich nicht als eine Prieſterin Veſta dieſen heiligen Kronprinzlichen Ehebund ſegnen, um die heiligen Flammen keuſcher Gattenliebe wieder auf's Neue auf⸗ lodern zu machen? Ich ſage Ihnen alſo, ſchaffen Sie mir dieſen Orden, machen Sie, daß ich eine der erſten Ritterinnen dieſes Ordens werde, oder ich nehme dieſe Rolle nicht an, welche man mich da ſpie⸗ len laſſen will! 3

Ich verbürge Ihnen, daß Ihre Launen erfüllt und daß Sie Ordensdame werden ſollen, ſagte Frau von Brandt ernſthaft.

Verzeihen Sie, Theuerſte, aber dies genügt mir nicht! Ich ver⸗ lange, daß die Kaiſerin von Oeſterreich, die erhabene Tante unſerer Kronprinzeſſin, mir ſelber in einem eigenhändigen Handbillet die Zu⸗ ſicherung giebt, daß dieſer Orden in's Leben tritt, und daß ich Ordensritterin werde. Es ſchadet nichts, wenn die erhabene Kaiſerin außerdem noch einige Worte der Zärtlichkeit und Hochachtung hinzu⸗ fügt und mich ihrer Werthſchätzung verſichert.

Ich werde noch heute Ihre Bedingungen nach Berlin berichten und ſie werden ſofort durch einen Courier der Kaiſerin mitgetheilt werden, welche ohne Zweifel bereit ſein wird ſie zu erfüllen, denn die Gefahr iſt dringend und Sie ſind eine mächtige Bundesgenoſſin.

Gut, ſo weit wären wir einig und es fehlt weiter nichts als die Hauptſache, ſagte Frau von Morien mit einem neckiſchen Lächeln, weiter nichts, als daß ich wirklich Ihre Vorausſetzungen erfülle und daß ich wirklich für den Kronprinzen ein wenig mehr bin, als nur der Tourbillon, die hübſche Morien, die türkiſche Muſik, die er klin⸗ geln läßt, wenn er luſtig iſt. Es fehlt weiter nichts, als daß mich der Kronprinz nun auch wirklich liebt. Er macht mir den Hof, das iſt wahr, er drückt mir zuweilen verſtohlen die Hand, er flüſtert mir dann und wann einige zärtliche, ſehnſuchtsvolle Worte in's Ohr, er hat mich geſtern, als ich ihm zufällig ganz allein im dunklen Corridor begegnete, ſehr feurig umarmt und meine Lippen mit ſo glühenden und ſtürmiſchen Küſſen bedeckt, daß ich faſt erſtickte. Aber das iſt Alles, das iſt der ganze Roman meiner Liebe.

Friedrich der Große. I. 7