gar nicht zu wiſſen. Für ihn war ndas kleine Fräulein von Schwerin“ eine durchaus erwachſene Dame, mehr als das, ſie war die Göttin, welche er anbetete, die Fee, deren Blicke genügten, um ſeine Blumen blühen und ſein Herz klopfen zu machen. Für ſie allein pflegte er die Blumen, ſorgte er für die Pfirſiche und Melonen an den ſonne⸗ glühenden Spalieren, für ſie allein hatte Gott die Welt geſchaffen, denn ſie war die Königin der Welt, und es war daher ſo natürlich, daß auch der arme Fritz Wendel ihr zu Füßen lag und ſie zur Ge⸗ bieterin ſeines ganzen Daſeins machte.
Das kleine Fräulein hatte ihren ſtummen, ſchwärmeriſchen verſten Liebhaber“ jetzt lange genug beobachtet, um dieſes unnatürlichen Schweigens überdrüſſig zu ſein, und eben, wie Fritz Wendel eine prächtige Narziſſe pflückte, trat Fräulein Louiſe hinter dem Flieder⸗ buſch hervor und wünſchte ihm lächelnd einen guten Morgen.
Fritz Wendel zuckte zuſammen und eine glühende Röthe fuhr über ſein Antlitz hin. Er war ſo verlegen, daß er ganz vergaß, den Gruß des Fräuleins zu erwiedern, und ſich nur tiefer herniederbeugte zu den Blumen, mit denen er eben beſchäftigt war.
Für wen ſollen die Blumen? fragte Louiſe, welche jetzt dicht neben ihm ſtand. Und warum haſt Du juſt die ſchönſten und beſten verſteckt, und willſt ſie nicht zu dem Bouquet hinzufügen, welches Du für die Prinzeſſin jeden Morgen pflücken mußt?
Man hat mir nicht befohlen, daß ich für die Kronprinzeſſin immer die ſchönſten Blumen pflücken muß, ſagte Fritz Wendel, der noch immer nicht wagte, das Fräulein anzuſehen. Der Kronprinz hat mir nur befohlen, jeden Morgen neue Blumen in die Vaſen der Kronprinzeſſin zu thun, das iſt Alles!
Das iſt, wie mir ſcheint, nicht Alles! rief Louiſe lachend. Denn Ihr habt noch Blumen gepflückt außer dieſen. Für wen ſollen denn dieſe ſein, wenn ſie nicht für die Fürſtin beſtimmt ſind?
Fritz Wendel wagte es, das Auge zu erheben und das junge Mädchen, welches ſo liebreizend und lächelnd vor ihm tand mit ſchüchternen Blicken anzuſehen.


