Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Gärtner, der in ſeiner einfachen und beſcheidenen Tracht, und mit ſeiner auffallenden und imponirenden Schönheit die alten Fabeln von den verkleideten Göttern wieder zur Wahrheit zu machen ſchien. Man konnte verſucht ſein, ihn für den Gott Apoll zu halten, der von irgend einer Daphne gereizt, ſich in Knechtsgeſtalt gehüllt, um der Hirtin zu nahen, welche er liebte.— Vielleicht dachte das auch dieſes liebreizende junge Mädchen, das deshalb hinter dem Fliederbuſche verborgen ihm zuſchaute und ihre lachenden Blicke auf ihn gerichtet hatte, oder vielleicht hielt ſie ihn für einen gebornen Prinzen und harrte nur ſehnſüchtig des Moments, wo er ſeine Verkleidung ab⸗ werfen und ihr ebenbürtig ſein würde. Denn ſie war, wenn nicht eine Prinzeſſin, doch das Hoffräulein einer Prinzefſin, und ſelber von vornehmer Geburt. Aber was kümmert ſich die Jugend um den Stammbaum und die Wappenſchilder, und was hatte dieſes dreizehn⸗ jährige Kind darnach zu fragen, ob Fritz Wendel der Sohn eines Fürſten oder eines Bauern wäre. Er gefiel ihr, denn er war ſchön und jung, und— er hatte noch einen ſehr großen Vortheil für ſich— er war ihr erſter Anbeter. Die ganze Welt ſonſt nannte das Fräu⸗ lein von Schwerin noch ein Kind und ſchäkerte mit der kleinen Louiſe. Die Kronprinzeſſin hatte ſich dieſelbe von ihrer Mutter als eine Art Spielzeug erbeten zur Unterhaltung ihrer einſamen Stunden, und der Titel„Hoffräulein“, den man dem dreizehnjährigen Kinde gege⸗ ben, war auch nur ein Scherz, den man belachte, und der nur dazu dienen ſollte, dem kleinen Fräulein von Schwerin zu jeder Stunde des Tages eine ungehinderte Entrée bei der Prinzeſſin zu ſichern.

Aber die kleine Louiſe war nur den Jahren nach ein Kind, ſie hatte ſchon das Herz und die Gedanken einer Erwachſenen, ſie war ſchon mit ihrem Empfinden, ihrer Phantaſie, ihren lebhaften Wün⸗ ſchen ein Weib, und zwar ein feuriges, liebeglühendes. Nichts ver⸗ letzte daher mehr ihren Stolz, als wenn man ſie ein Kind nannte, und nie fühlte ſie ſich glücklicher, als wenn man zu Gunſten ihres Verſtandes, ihrer Schönheit und ihres gereiften Geiſtes ihrer Jahre zu vergeſſen ſchien.

Fritz Wendel, der junge Gärtner, hatte das Glück gehabt, dieſe

Friedrich der Große. I. 4