Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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befand. Es war in der Frühe des Morgens. Die Bewohner des Schloſſes, das dieſen Garten begrenzte, ſchienen noch zu ſchlummern. Die Fenſter waren noch geſchloſſen und verhangen und noch hörte man nichts von dem Geräuſch des frohen und ungebundenen Lebens, das ſonſt die Bewohner dieſes heitern und reizenden Schloſſes erfreute und ergötzte.— Keine andere Muſik ließ ſich vernehmen, als der ſchmetternde Geſang der Nachtigallen, die fröhlichen Jubellieder der Lerchen und Finken, die in den Laubdächern der hohen Bäume, welche dort drüben den Garten begrenzten, ſich verborgen hielten. Der Kronprinz alſo ſchlummerte noch, denn ſeine Flöte ſchwieg, und das war für alle Schloßbewohner immer ein ſicheres Zeichen, daß der Schloßherr noch nicht erwacht ſei oder daß er mindeſtens noch nicht ſeinen Tag beginnen wollte. Die Muſik ſeiner Flöte war das Mor⸗ genopfer, mit welchem der junge Fürſt jeden Tag begrüßte, und die, gleich der Memnonsſäule, welche erklang, wenn der Strahl der Sonne ſie berührte, den ſchmeichelnden Hofleuten verrieth, daß auch ihre Sonne erſtanden ſei. Aber die Flöte ſchwieg; die Sonne war alſo noch nicht aufge⸗ gangen, obwohl ſie hier draußen im Park ſchon ihre goldenen Streif⸗ lichter durch das Laubwerk und die duftenden Geſträuche zog, und ſchon den Thau aus dem Kelche der Blumen aufgetrunken hatte. Es war überhaupt eine heiße Nacht geweſen, und der Thau hatte die Pflanzen und Blüthen nur ſpärlich erquickt. — Fritz Wendel, der Gärtner, war daher ſchon beſchäftigt, mit der großen Gießkanne die Blumen zu tränken und den Staub von den Geſträuchen fortzubrauſen. Aber indem er's that, wählte er zugleich die ſchönſten Blumen aus und pflückte ſie ab, indem er ſorgfältig und angſtvoll bemüht war, ſie hier und dort unter den Geſträuchen zu verbergen, vielleicht um ſie vor der Gluth der Sonne zu ſchützen, vielleicht aber auch um ſie vor den Augen neugieriger Beobachter zu ſichern. Und doch waren ſolche Augen ſchon da und beobachteten ihn, und ruhten auf ihm mit ſo zärtlichem und lachendem Ausdruck, daß man wohl ſah, das junge Mädchen, welchem dieſe Augen angehörten, müſſe ein beſonderes Intereſſe hegen an dem ſchönen hochgewachſenen