Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Gräfin Haake wollte ihr die Hand darreichen, um ihr beim Aus⸗ ſteigen behülflich zu ſein. Die Königin wehrte ſie ſtolz zurück.

Nicht doch! ſagte ſie. Die Könige und Königinnen verlaſſen ihr Grab nur durch ihre eigene Kraft und Größe und geſtützt auf die Hand der Geſchichte.

Dann überſchritt ſie den Rand des Sarges und ſich tief vor dem Könige verneigend, ſagte ſie: Jetzt iſt an Ihnen die Reihe, mein Gemahl!

Der König zuckte zuſammen und warf einen finſtern, mißtraui⸗ ſchen Blick auf die Königin; ihre ſo einfach gemeinten Worte hatten für ihn dennoch einen prophetiſchen unheimlichen Sinn, und ein leiſes Grauen überſchlich ihn, als er ſich dem Sarge näherte. Aber mit einer gewaltigen Kraftanſtrengung ſich ſelber überwindend, ſtieg er in den Sarg und winkte einen Hofherrn herbei, ihm beim Niederlegen behülflich zu ſein.

Ach, es ruht ſich gut auf dieſem Lager, ſagte Friedrich Wilhelm,

indem er mit Behagen ſeine Glieder ſtreckte. Hier alſo werde ich einſt ſchlafen, bis es Gott gefällt, mich wieder aufzuwecken.

Möge dieſes Einſt noch ferne von uns ſein, mein Gemahl und König! rief die Königin feierlich. Erlauben Sie mir, Ihnen die Hand zu reichen, um Ihnen beim Emporſteigen aus dem Sarge be⸗ hülflich zu ſein.

Sie reichte dem König die Hand dar und dieſer, ſie mit Leb⸗ haftigkeit ergreifend, war eben im Begriff, ſich emporzurichten, als draußen ein ſeltſames, ungewöhnliches Geräuſch ſich vernehmen ließ. Man hörte einen lauten, durchdringenden Schrei, der ſich mehrmals wiederholte, dann den Schall eiliger Schritte, die ſich dem Saale näherten. Die Hofleute murmelten und flüſterten untereinander, man ſah ihre Geſichter erbleichen und ihre Mienen einen erſchrockenen Ausdruck annehmen.

Was giebt's? fragte der König, der noch immer im Sarge ſaß.

Niemand antwortete, man ſah ſich ſcheu untereinander an, man flüſterte ſich einander unverſtändliche Worte zu, aber Niemand wagte zu reden.