Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Zwinge Deine Seele und mache ſie demüthig und ſtille, ſagte der König, welcher heute eine fieberhafte Anwandlung von Frömmig⸗ keit hatte. Wir ſind hierher gegangen, um unſere Särge zu probiren. Wir wollen es alſo thun!

Ich wäre nicht gekommen, wenn ich die Abſicht Eurer Majeſtät gekannt hätte, ſagte die Königin in ſich erſchauernd.

Du wärſt gekommen, weil ich es will, murmelte der König, dem die Röthe des Zorns ſchon die Wangen erglühen machte und deſſen Augen ſchon wüthende Blitze ſchoſſen.

Sophie Dorothea ſah dieſe Symptome des aufſteigenden Ge⸗ witters, und ſie wußte, daß, wenn dieſes einmal zum Ausbruch gekommen, es tobend alle Dämme und alle Schranken durchbrechen würde. Sie mußte alſo dieſem Ausbruch zuvorkommen, dieſe Zornes⸗ bäche hemmen, bevor ſie entfeſſelt herabſtürzten.

Sie rief mit einer gebieteriſchen Handbewegung eine ihrer Hof⸗ damen herbei und ſagte ſtolz und ruhig: Reichen Sie mir die Hand, Gräfin! Ich bin müde und will einmal ausruhen auf dieſem Lager von neuer und ungewöhnlicher Form.

Und mit dem Anſtand und der Erhabenheit einer wahrhaft könig⸗ lichen Seele hob ſie ihr Gewand ein wenig empor, um den Fuß über den Rand des Sarges zu heben und ihn auf den Boden deſſelben zu ſetzen. Jetzt ſtand ſie in dem Sarge, groß, ſtolz aufgerichtet, ge⸗ bieteriſch und majeſtätiſch anzuſchauen. Dann, mit einer unnachahm⸗ lichen Grazie, neigte ſie ſich und ließ ſich langſam niedergleiten auf den Boden. 4

Der Sarg ächzte und edröhgte leiſe, unter den Hofleuten ent⸗ ſtand ein ungewöhnliches Gemurmel des Unwillens und Entſetzens. Der König ſtand neben dem Sarge und Sophie Dorothea heftete auf ihn ihre Blicke mit einem ſo ſeltſamen, flammenden, durchboh⸗ renden Ausdruck, daß der König unwillkürlich die Augen zu Boden ſenkte und nicht den Muth fand, ihren Blicken zu begegnen.

Sophie Dorothea ſah es und lächelte. Dann hob ſie ſich lang⸗ ſam wieder ennpor und ſtand wieder ſtolz und ruhig da.