Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 44—

Aergerniß an ihren leuchtenden Blicken, ihrem ſtolz zurückgeworfenen Haupte. Er fühlte, daß dieſe Seele ſich eben frei gemacht von dem Drucke eines fremden, ſie belaſtenden Willens, daß ſie ein von ihm abgelöſetes eigenes, freies Daſein in ſich trüge. Aber ſie ſollte ihn wieder anerkennen als ihren Herrn, ſich wieder bußfertig beugen unter das Joch! Die Königin ſollte wieder das Weib werden, das dem Manne gehorſamt, weil die Bibel befiehlt:„Und er ſoll Dein Herr ſein!“ 1

So mögen denn unſere Ahnen zuſchauen, wie wir jetzt vor ihnen unſere Särge probiren! ſagte der König, ſeine Hand feſt und ſchwer auf die Schulter der Königin legend. Wir wiſſen, daß Dich die Brillanten herrlich kleiden, und daß ich kein ganz übler Mann in meiner Uniform bin, jetzt laß uns einmal ſehen, wie uns unſer Sarg kleiden wird.

Was wollen Sie damit ſagen, mein König? fragte Sophie Do⸗ rothea, ihre angſtvollen, zitternden Blicke auf den Gemahl heftend.

Ich will damit ſagen, daß wir zuſehen wollen, ob wir dereinſt mit Anſtand und Würde unſere Plätze in unſern Särgen einnehmen werden, daß wir uns heute einmal zum Scherz in unſere Särge legen wollen, wie wir es dereinſt in allem Ernſte thun müſſen!

Aber dies wäre ein grauſamer Scherz! rief die Königin.

Oh ja, den Kindern dieſer Welt erſcheint Alles grauſam, was ſie an den Tod und die Vergänglichkeit aller Freude gemahnt, ſagte der König mit Emphaſe. Aber⸗ ſolch' Mahnen iſt doch gut und heil⸗ ſam, und wenn wir uns daran gewöhnten, zuweilen den Feſtſaal zu verlaſſen, um in unſerm Sarge auszuruhen von den Freuden des Lebens, ſo würden wir ohne Zweifel ein viel gottſeligeres und ernſteres Leben führen! Lege Dich alſo immer in den Sarg, Sophie Do⸗ rothea, Deine Seele wird Vortheil davon haben und meine Augen werden ein Bild ſehen, welches ſie, gelobt ſei Gott, doch nimmer ſchauen können, ſie werden Dich im Sarge ſehen.

Oh, Sie ſind jünger als ich, mein Gemahl, rief die Königin,

Sie werden mich einſt begraben und es wird alſo nicht nöthig ſein, mich zur Probe in den Sarg zu legen!