Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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ſo wenig glich, ſo wenig der Sohn ſeines Herzens war!— Als der König das dachte, überkam ihn finſtere Trauer, eine nie gefühlte ahnungsvolle Schwermuth. Er dachte daran, daß er vielleicht bald ſterben möchte, und daß dann Niemand ihn betrauere, daß Jeder dem Sohn zulächeln und zujauchzen würde! Der König faltete die Hände und betete, in der Angſt ſeines Herzens wandte er ſich zu Gott, mit ſeinem Gebete übertäubte er die Stimme, welche in ſeiner Bruſt zu flüſtern begann und ihn plagte mit Vorwürfen und Anſchuldigungen.

18 Der König betete; erſchöpft von Zorn überkam ihn ſeine fromme Zerknirſchung, ſeine weltverachtende Gottſeligkeit. Wie die Töne der Tanzmuſik jetzt zu ihm herüberſchallten, empfand er eine fromme Empörung über dieſe unheilvolle Luſtbarkeit, eine freudige Genug⸗ thuung mit ſich ſelber, weil er nicht zu den Gottloſen gehörte, welche der weltlichen, eitlen Luſt fröhnten, ſondern allein und einſam in ſeinem Kämmerlein war und betete. Wie klein, wie erbärmlich und jammer⸗ voll erſchienen ihm nun Diejenigen, welche da drüben tanzten und ſich freuten, wie zufrieden war er mit ſich ſelber und ſeinem heiligen Wandel!

Juſt in dieſem Moment öffnete ſich die Thür und des Kammer⸗

lakaien ſcheues und ängſtliches Geſicht erſchien in demſelben.

Ew. Majeſtät hatten befohlen, es ſofort anzuzeigen, wenn die Särge, welche geſtern angekommen und im weißen Saal aufgeſtellt ſind, ausgepackt ſein würden, ſagte der Diener. Daſſelbe iſt jetzt ge⸗ ſchehen, und wenn Ew. Majeſtät befehlen, können die Särge in Augenſchein genommen werden.

Ach, mein Sarg iſt bereit! murmelte der König, unwillkürlich ſchaudernd. Mein Sarg und der Sarg der Königin. Und die Kö⸗ nigin giebt einen Ball und tanzt vielleicht, ſtatt im Gebet ihre Seele zu zerknirſchen und Gott zu dienen. Ich will ſie wecken aus dieſer unheiligen Sinnesluſt. Es war ein Wink Gottes, daß gerade jetzt* die Särge fertig ſind. Die Königin ſoll ſie ſehen!

Er rief ſeine beiden Kammerlakaien und befahl dem einen, ihn hinüber zu führen in den Ballſaal, dem andern, den Saal zu er⸗ leuchten, in welchem die Särge aufgeſtellt waren.—