Der Zorn des Königs war indeß immer noch nicht verſiegt, er lechzte noch nach einem neuen Opfer, um ſich zu kühlen, einer neuen Nahrung, um mit ſeinen lodernden Flammen empor zu ſchlagen. Aber ſelbſt die Diener hielten ſich ſcheu und ängſtlich fern aus dem Bereich des königlichen Krückſtocks, und auch ſeinen letzten Geſell⸗ ſchafter, den Grafen Haake, hatte des Königs Zornwort aus ſeiner Nähe verbannt. f
Der König war alſo allein, ganz allein in dieſem öden finſtern Gemach, deſſen troſtloſe Stille ihn ſchon zu beängſtigen begann. Er ließ ſich auf einen Lehnſeſſel niedergleiten und ſchaute mit trüben Blicken ſich in dieſem Gemache um, das von dem Kronleuchter, an welchem, der Erſparung wegen, nur vier Lichter angezündet waren, nur trübe erleuchtet ward.— Nichts unterbrach dieſe Stille, und nur zuweilen hörte man vom jenſeitigen Flügel des Schloſſes herüber einzelne grelle oder dumpfe Töne der heitern Tanzmuſik, die noch immer fortdauerte in den Gemächern der Königin. Dieſe Töne machten den König erſeufzen und erfüllten ſein Herz mit Wehmuth und Zorn zugleich. Die Königin war heiter, während ihr Gemahl litt, ſein ganzer Hof freute ſich und war guter Dinge, während er einſam, verlaſſen, zähneknirſchend in dieſem dunklen freudenloſen Ge⸗ mache ſaß. Und doch war er der König, der machtvolle Herrſcher über Millionen ſeiner Unterthanen, die alle vor ihm zitterten, von denen aber vielleicht Keiner ihn liebte, die Alle ihre Augen hinrich⸗ teten auf die aufgehende Sonne, auf den Sohn, welcher dem Vater und Genoſſen des Tabackscollegiums dieſes Vergehen gegen die Geſetze des Tabackscollegiums verzieh, und dieſe Herren wieder in ſeine Geſellſchaft auf⸗ nahm. Der Herzog von Holſtein war der Letzte, welchem der König verzieh und ihn wieder zum Tabackscollegium einlud, aber als der König ihn das erſtemal wieder ſah, ſagte er zu dem Herzog: er ſolle ſich nicht einbilden, daß er mehr Vorrechte habe, als Andere, weil er ein Fürſt ſei, ſein Kopf würde eben ſo gut fliegen, wie der irgend eines andern Privatmannes, wenn er fort⸗ führe, der aufgehenden Sonne zu huldigen.— Der Herzog bat um Gnade und erhielt ſie. Nur der Kronprinz konnte keine Verzeihung erlangen und erſt drei Tage vor ſeinem Tode verſöhnte ſich der König mit ihm.— Pöllnitz, Vol. II. p. 363.


