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königliches Machtgebot? Kennt Ihr die Geſetze des Tabackscollegiums nicht mehr? Wißt Ihr nicht, daß dieſe Geſetze Euch ausdrücklich verbieten, Eure Seſſel zu verlaſſen und ſtehend Jemand zu begrüßen? Ihr ſchweigt Alle? Elende Memmen ſeid Ihr Alle, die nicht einmal ſich zu vertheidigen wagen, die immer den Mantel nach dem Winde drehen und mit Jedermann buhlen und heucheln und ſchmeicheln möchten. Antworte mir, Pöllnitz, kannteſt Du das Geſetz des Tabacks⸗ collegiums nicht, welches Dir das Aufſtehen verbietet?
Ich kannte es, Sire, aber ich glaubte bei der Begrüßung des Kronprinzen eine Ausnahme machen zu dürfen.
So glaubten wir Alle, ſagte der General von Schwerin mit feſter Stimme.
Der König ſchlug mit der geballten Fauſt auf den Tiſch, daß die Krüge und Flaſchen klirrten. Das dachtet Ihr, ſchrie er, und wußtet doch, daß Ihr ſelbſt um meinet⸗, um des Königs willen, keine Ausnahme machen dürft! Aber freilich, das iſt wichtiger als der König! Der Kronprinz, das iſt der König der Zukunft, das iſt die Sonne kommender Tage! Was der König nicht hat gewähren kön⸗ nen, das kann dereinſt der Kronprinz geben, von dem König hat man nichts mehr zu hoffen, nichts mehr zu fürchten, deshalb wendet man ſich dem Kronprinzen zu, deshalb ſpottet man der Geſetze des Vaters, um dem Sohn zu ſchmeicheln und ſchön zu thun. Der Sohn iſt ein ſo feiner, franzöſiſcher Cavalier, der geziertes Weſen und höfiſches Schönthun liebt, für den die edle Frage der Etiquette ein wichtiges Ding iſt! Man ſteht alſo auf, wenn der Kronprinz in's Zimmer tritt, obwohl man weiß, daß hier in dieſem Zimmer Niemand mehr iſt und bedeutet als der Andere, und obwohl man hier oft genug vergeſſen hat, daß ich der König bin! Ja aber den König kann man vergeſſen, wenn man nur nicht des Kronprinzen vergißt, des Kron⸗ prinzen, welcher vielleicht bald König ſein wird!
Gott ſchenke Ew. Majeſtät ein langes und glückliches Leben, ſagte der Kronprinz, welcher während der heftigen Rede des Königs ſchweigend und unbeweglich hinter dem Stuhl des Königs geſtanden.
Wer ſpricht mit Ihm? Wer heißt Ihm reden, ohne daß ich
Friedrich der Große. I. 3
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