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lancholie über dieſes Antlitz ausgebreitet, deſſen ſcharfe und markirte Linien von herbem Schmerz und bittern Erfahrungen ſprachen, wäh⸗
rend ſeine ſchmalen, purpurrothen Lippen von einem ſo ſanften, ſo
weichen und friſchen Lächeln umſpielt waren, daß man wohl ſah, das Herz, welches dieſes Lächeln auf ſeine Lippen ſende, müſſe noch ſehr jung, ſehr glaubensvoll und eindrucksfähig ſein. Aber wunderbar contraſtirten zu dieſem gütevollen, feinen, jugendlichen Munde die Augen, welche wie große, geheimnißvolle, unergründbare Sterne aus dem Rahmen dieſes ſchmalen, zartgerötheten Antlitzes hervorleuchteten, und in denen es zugleich flammte und blitzte wie Dolchesſpitzen und Diamantenfunkeln, die in dieſem Moment ſprühten von jugendlichem Uebermuth und in jenem Moment den feſten, ſtätigen, durchbohrenden Blick eines ſtrengen, beobachtenden Weiſen annahmen. Die etwas zurückgebogene Stirn, die mit der geraden, feingeſpitzten Naſe eine ununterbrochene ſchräge Linie bildete, zeigte ſchon die wunderbaren, Ehrfurcht gebietenden Erhöhungen, die andeuten, daß der Geiſt, wel⸗
cher hinter dieſer Schädeldecke eingefangen ſitzt, mächtig arbeitet und
wühlt, und ſein Gefängniß von Knochen untergräbt und aushöhlt, um hinauszugelangen zur Freiheit des Gedankens.— Es war das Auge, der Kopf eines Heros, und hätte er einer Geſtalt angehört, welche der kühnen Rieſenkraft dieſes Blickes entſprochen hätte, ſo wäre er ein Titane geweſen, welcher mit ſeiner körperlichen Rieſenkraft und Gewalt die Welt wie ein Spielwerk in ſeinen Händen zerdrücken konnte. Aber ſeine ſchlanke, ebenmäßig gebaute, anmuthige Geſtalt war indeß mehr zart als kräftig, mehr jungfräulich weich als mannhaft und heroiſch. Dennoch fühlte man, daß das Haupt dieſer Geſtalt Rieſenkräfte verleihen würde, und daß, wenn der Titane nicht ſiegen könnte mit der phyſiſchen Kraft ſeines Armes, er herrſchen und ſiegen würde mit der gebieteriſchen Kraft ſeines Geiſtes*).
*) Ein franzöſiſcher Reiſender, Namens Birré, der eigens die Reiſe von Paris nach Berlin gemacht hatte, um dort Friedrich den Großen zu ſehen, ſchildert ihn ſo: Buste admirable et vraiment royal, mais pauvre et misé- rable piédestal. Sa tête et sa poitrine sont au dessus des éloges, le train d'en bas au-dessous de la critique. Siehe Thiébault IV. pag. 163.
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