Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2 V

— 25—

Der König erröthete wieder, dies Mal aber vor Zorn. Dieſe Auseinanderſetzungen über das Weſen eines wirklichen Cavaliers be⸗ gannen ihn zu beleidigen und ihm wie eine boshafte Satyre auf ihn ſelber zu erſcheinen, denn unglücklicherweiſe rauchte der König nicht nur in den Zimmern ſeiner Gemahlin, ſondern alle Welt wußte, daß er ſeiner Gemahlin und ſeinen Kindern gegenüber nur zu oft ſich den Ausbrüchen ſeines heftigen und rückſichtsloſen Naturells überließ und ſelbſt die Königin mehr als einmal durch ſeine donnernden Scheltworte und ungebührlichen Drohungen in Angſt und Schrecken verſetzt hatte.

Ew. Majeſtät ſehen alſo, daß mein Haus ſehr groß ſein muß, fuhr Pöllnitz fort, und da es ſehr groß iſt, wird es viel Erhaltungs⸗ koſten und eine hinlängliche Anzahl von Dienern erfordern. Doch davon ſpäter! Bleiben wir zuerſt bei meinen Häuſern, denn es ver⸗ ſteht ſich wohl von ſelbſt, daß ich auch ein Landhaus haben muß, um darin die Sommermonate hinzubringen.

Ja, das iſt eine billige Forderung, ſagte der König, indem er das Landhaus auf ſeinem Papier verzeichnete.

Aber man geht nicht in ein Landhaus, um daſelbſt nur in ſeinen Zimmern zu leben, wie in ſeiner Stadtwohnung, ſondern man will dort der Natur und des Sommers genießen. Ich werde alſo einen Garten haben müſſen mit Treibhäuſern und ſchönen Anlagen und zu deren Erhaltung bedarf es natürlich mehrerer, und zwar geſchickter Gärtner. Da ich ferner nicht verlangen kann, daß meine Freunde blos zu mir kommen, um meine Blumen zu riechen und meine Me⸗ lonen und Pfirſiche zu eſſen, welches Alles ſie eben ſo gut von einem Handelsgärtner kaufen können, ſo muß ich darauf denken, meinen Freunden andere und ſeltenere Vergnügungen zu bereiten. Ich muß alſo vor allen Dingen einen Wald haben, um darin jagen, einen See, um darin fiſchen zu können.

Ja, das iſt wahr und wohl begründet, ſagte der König, den Wald und See auf ſeinem Papier notirend. 8

Nun kommen wir zu dem Wichtigſten, zu der Küche und dem Weinkeller. Auf beide muß ich eine beſondere Sorgfalt verwenden,