— 16—
Aber Ew. Majeſtät verſtehen ſich auf die Ueberraſchungen wie kein Anderer! rief der Graf Hake, bemüht, dem Geſpräche eine an⸗ dere Wendung zu geben. In meinem Leben habe ich mein Herz nicht ſo klopfen gefühlt, als indem ich heute die Schwelle dieſes Ge⸗ maches überſchritt.
Der König, ſchnell beſänftigt, lachte laut. Und ich habe in meinem Leben nicht ſo bleiche Geſichter geſehen als die Euren! Wahrhaftig, wären meine Finger nicht juſt ſo ſteif und ungelenkig von den Gichtſchmerzen, ſo würde ich Euch ein Bild dieſer Scene malen, das ein prächtiges Gegenſtück zu meinem Bilde vom Tabacks⸗ collegium abgeben ſollte, und nennen wollte ich es: die ſechs Schnei⸗ dergeſellen, weiche Furcht vor dem blauen Montag haben! Ach, ſeht einmal, wir werfen uns jetzt auch auf die Poeſie und Kunſt und unſer gelehrter und phantaſtiſcher Herr Sohn wird bald gar keinen Vorzug mehr vor uns haben! Spielt er die Flöte, nun ſo malen wir, ſchreibt er empfindſame Gedichte, nun, ſo wollen wir Spott⸗ gedichte ſchreiben, und während er die Sonne und den Mond an⸗ ſingt, thun wir es den Göttern gleich und hüllen uns wie Jupiter in eine Wolke ein. Verſteht ſich aber, daß es nicht geſchieht, um eine Semele oder irgend ein anderes Weib zu bethören, denn Wir ſind Unſerer Gemahlin immer und aller Orten treu geweſen und ich denke wohl, daß ſich der Kronprinz in dieſem Punkte an ſeinem Vater ein Beiſpiel nehmen könnte.
In allen Dingen könnte er das, Majeſtät! bemerkte Graf Goltz, eine große Rauchwolke von ſich blaſend.
Ach, er denkt dereinſt den Staat mit ſeiner Bücherweisheit und ſeinen Gedichten zu regieren, ſagte der König lachend. Statt ſich mit nützlichen Dingen zu beſchäftigen, Rekruten einzuexerciren, Pläne zu zeichnen und die Kriegskunſt zu ſtudiren, verwendet er ſeine Zeit auf den unnützen Flittertand oberflächlicher Gelehrſamkeit, die Nie⸗ mandem Etwas nützt und ihm ſelber nur zum größten Schaden ge⸗ reicht. Denn um ein guter König ſein zu können, darf man kein träumeriſcher Gelehrter ſein, und wer ſtatt des Scepters und der


