Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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zange zu führen. Die Gicht machte aus dem ſtolzen, ſelbſtherrſchen⸗ den König einen armen, demüthigen Tiſchler, und wenn ſeine ge⸗ ſchwollenen Füße ihn an den Rollſtuhl feſſelten und die Schmerzen ihn hinderten, die Maſchine des Staats zu regieren und nach Be⸗ lieben zu drehen, begnügte er ſich damit, Kaſten und Kiſten aus Lindenholz zu fertigen*). Oft, wenn man in der Stille der Nacht an dem Schloſſe vorüberging, konnte man noch das Hämmern und Klopfen hören, welches gewiſſermaßen die wortloſen Bülletins über das Befinden des Königs waren. Wenn der König in der Nacht arbeitete und Tiſchler war, ſo bewies das den geängſteten Berlinern, daß der König leide, daß er nicht ſchlafen könne, und daß es daher ſehr gefährlich ſein würde, ihm am andern Tage auf ſeinem Spa⸗ ziergange durch die Straßen zu begegnen, weil man entweder durch ſeine Größe oder durch ſeine Kleinheit, durch den Schnitt ſeines Kleides, durch irgend ein geſprochenes Wort, das bis zu den Ohren des Königs gedrungen, ſeinen Zorn erregen, und ſich, wenn nicht einige wohlgeführte Hiebe, ſo doch eine donnernde Strafpredigt zu⸗ ziehen konnte. Hatte König Friedrich Wilhelm doch erſt kürzlich zwei junge anſtändige Damen verhaften und nach Spandau führen laſſen, weil er, in den Schattengängen des Parks von Schönhauſen wan⸗ delnd und das Geſpräch dieſer Beiden belauſchend, vernehmen mußte, wie ſie dieſen königlichen Gartencharmant, ganz charmant fanden. Dieſes eine franzöſiſche Wort hatte genügt, um die armen jungen Mädchen dem Könige zu verdächtigen und ſie ihm als loſe üppige Schönheiten zu bezeichnen, weshalb er ſie nach Spandau in die Feſtung ſchickte, von wo ſie erſt nach langem Flehen ihrer troſtloſen Familie befreit wurden*). Hatten doch die wohlgewachſenen Leute,

*) Mémoires pour servir à l'histoire des quatre derniers souverains de la maison de Brandenbourg royale de Prusse. Par Charles Louis Baron de Poellnitz. Vol. II. pag. 359.

**) Frédéric le Grand, sa famille, sa cour, son gouvernement et autres souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin. Par Dieudonné Thiébault. Quatrième Edition. T. 3. p. 73. 3