Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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in den Spiegel und dachte an vergangene Tage, an begrabene Hoff⸗ nungen und verwehete Träume! Dieſe Brillanten hatte ihr erhabener Vater ihr gegeben, als ſie mit Friedrich Wilhelm ſich verlobte; dieſes Diadem hatte ihre Stirne geſchmückt, als ſie ſich ihm vermählte. Das Collier hatte ihr Bruder ihr geſandt, als ſie das erſte Kind geboren, dieſes Bracelet hatte ihr Gemahl um ihren Arm ge⸗ legt, als endlich nach langem Harren, Beten und Wünſchen der Kron⸗ prinz Friedrich geboren ward. Jedes Einzelne dieſes Schmuckes war Meine ſtolze Erinnerung an ihre Vergangenheit, ein Stern aus ihrer Jugendzeit! Ach, die Brillanten hatten ſich ihr Schimmern und Leuchten bewahrt, ſie waren immer noch Sterne und blitzten immer noch, wie damals ſo hell, aber alles andere war geſchwunden und geſtorben, ihre Jugend und ihre Träume, ihre Hoffnungen und ihre Liebe! Sophie Dorothea hatte zu oft gezittert vor ihrem Gemahl, als daß ſie ihn noch hätte lieben können. Bei ihr hatte nicht die Liebe die Furcht ausgetrieben, ſondern die Liebe war von der Furcht ausgetrieben worden und ſie konnte den Gemahl nicht lieben, der für ſie und ihre Kinder immer nur der Tyrann und der Deſpot geweſen, der immer ihren Willen gebrochen, ihre Hoffnungen geknickt, der nicht blos in ihr die Königin und das Weib, ſondern auch die Mutter tödtlich getroffen hatte. Als ſie auf das funkelnde Armband blickte, das ſo alt wie ihr Lieblingskind, wie der Sohn Friedrich war, da gedachte ſie ſeufzend, wie wenig ſein Leben dieſem Glanz und dieſer Herrlichkeit der Steine geglichen, wie dunkel und trübe ſeine Jugend geweſen, wie farblos und thränenreich. Sie küßte das Bracelet und ſandte dem Sohn ihre Grüße, als ſich plötzlich die Thür öffnete und die beiden Prinzeſſinnen Ulrike und Amalie zu ihr eintraten.

Die Königin wandte ſich zu ihnen und der wehmüthige Aus⸗ druck ſchwand ſchnell aus ihren Zügen, als ſie ihre Blicke auf die ſchönen und lieblichen Geſichter ihrer Töchter heftete, die im reizenden und geſchmackvollen Ballanzug ſich ihr präſentirten. 4

Ach, wie prächtig Sie ausſehen, gnädigſte Mamal rief die ſieb⸗ zehnjährige Prinzeſſin Amalie, indem ſie die hohe und edle Geſtalt der Königin umhüpfte, und mit kindlicher Lebhaftigkeit ſich der fun⸗