Nun, wiederholte der junge Offtzier ſeine Frage, wollen Sie mich begnadigen, und zu Ihrem Gemahl annehmen?
Würden Sie mich wohl heirathen mögen, auch wenn der König es Ihnen nicht befohlen hätte? fragte Louiſe lächelnd.
Ich würde Sie heirathen, dem König und der ganzen Welt zum Trotz, ſagte der junge Offizier, denn ſeit ich Sie geſehen, liebe ich Sie.
Louiſe reichte ihm lächelnd die Hand. Wohl denn, ſagte ſie. Laſſen Sie uns die Befehle des Königs erfüllen. Er hat befohlen, daß wir uns heirathen; fangen wir alſo damit an. Nachher wollen wir ver⸗
ſuchen, ob wir uns lieben können, auch ohne königlichen
Befehl.
Der junge Hauptmann von Kleiſt küßte ihre Hand, und drückte Louiſe den Myrthenkranz in's Haar.
Kommen Sie, der Prieſter wartet, und ich ſehne mich, Sie meine Gemahlin nennen zu können.
Er führte das junge vierzehnjährige Hoffräulein zum Altar hin; der Prediger öffnete das heilige Buch und verrichtete den Akt der Trauung.—
Um dieſelbe Stunde fand in der Kapelle des Königsſchloſſes zu Berlin eine andere Trauung ſtatt.
Dort ſtand vor dem Altar das Fräulein Laura von
Pannewitz und der Graf Voß. Der König ſelber hatte
Laura zum Altar geführt, die Königin Eliſabeth hatte
dem Grafen Voß ihre Hand geboten, der ganze Hof war in feierlichem Zuge dem Brautpaar gefolgt, der ganze Hof war Zeuge der feierlichen Vermählung.
Nur Einer fehlte, nur der Prinz Auguſt Wilhelm war nicht da. Während Laura von Pannewitz oben
in der Königlichen Schloßkapelle dem Grafen Voß ewige Treue ſchwur, ſtand der Prinz unten am Schloßportal


