Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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Sie ſah vor dem Altar den Prediger mit dem geöff⸗ neten Geſangbuch ſtehen, die Orgel ſetzte mit feier⸗ lichem Schall die erſten Töne eines Chorals ein.

Der junge Mann nahm Louiſens Arm und führte ſie vorwärts, aber nicht zum Altar, ſondern zuerſt in die ſeitwärts von demſelben befindliche Sakriſtei. Dort 4 auch brannten Kerzen, und auf dem Tiſche lag ein Myrthenkranz und ein Spitzenſchleier.

Das iſt Ihr Brautſchmuck, ſagte der junge Mann, der noch immer die Capuze ſeines Mantels feſt über ſein Geſicht gezogen hatte. Er löſte Louiſens Mantel los, und reichte ihr den Kranz und den Schleier dar.

Dann endlich ließ er die Capuze zurückfallen, und nahm den Mantel. Louiſe ſtieß einen Schrei des Staunens und der Angſt aus. Der, welcher vor ihr ſtand, war nicht ihr Geliebten nicht der Gärtner Fritz Wendel, ſondern ein ihr ganz fremder junger Offtzier in voller Parade⸗Uniform.

Verzeihen Sie, ſagte er, daß ich Ihnen heute ſo viel Angſt und Schrecken verurſachen mußte. Aber der König hatte mir befohlen ſtumm zu ſein, und ich that 9 es. Auf Befehl des Königs ſind wir hier, und auf 41 Seinen Befehl ſoll ich Ihnen vor unſerer Trauung dies Billet überreichen. Es iſt von des Königs eigener Hand.

Louiſe ergriff haſtig das königliche Handſchreiben und öffnete es. Es war ein ſehr kurzer, ſehr lakoniſcher Brief, der indeß das Herz des kleinen Hoffräuleins mit Furcht und Entſetzen erfüllte.

Der Brief lautete: 3

Da Sie durchaus ſich zu vermählen wünſchen, will ich aus Rückſicht für Ihre Familie, Ihren Wunſch erfüllen. Aber der ſchmucke Gärtnerburſche Fritz Wendel iſt außer Stande Ihr Gemahl zu