Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

leiſe das beſtimmte Loſungswort. Louiſe gab zitternden Herzens die Antwort. Der verhüllte junge Mann ſtreckte die Hand aus und faßte ihre bebende Rechte. Eilig zog er ſie vorwärts um die Ecke des Platzes. Dort ſtand der Wagen bereit; der junge Mann hob ſie in ſeine Arme, und trug ſie in den Wagen, dann ſprang er ihr nach und ſchlug den Schlag zu.

Vorwärts!

Der Wagen rollte von dannen, wie von Windes⸗ flügeln getragen. Jetzt lag die Stadt ſchon hinter ihnen, in raſendem Lauf ging es vorwärts, immer vorwärts. Neben Louiſen ſaß der tief in ſeinen Mantel gehüllte junge Mann, ihr Geliebter, bald ihr Gemahl. Beide ſprachen ſie kein Wort; Beide ſaßen ſie befangen, angſt⸗ klopfenden Herzens nebeneinander. Aber Louiſe fand dieſes Schweigen ihres Geliebten unheimlich und pein⸗ voll, ſie begriff nicht, daß er, ſonſt ſo zärtlich und leiden⸗ ſchaftlich, jetzt ſo ſtumm und kalt neben ihr ſitzen könne. Sie hatte ein Gefühl, als müſſe ſie fliehen, weit, weit fort von dieſem theilnahmloſen Liebhaber, der für ſie gar keine Worte, keine Liebesbetheurungen mehr hatte, gewiß verachtete er ſie, weil ſie ihm gefolgt war, hielt er es nicht mehr der Mühe werth, ſie ſeiner Liebe zu verſichern. Wie ſie das dachte, entfuhr ein Schrei ihren Lippen, ſie ſprang von ihrem Sitz empor, um den Wagen⸗ ſchlag zu öffnen, und hinauszuſpringen. Die kräftige Hand ihres ſtummen Liebhabers hielt ſie zurück.

Wir ſind noch nicht zur Stelle, mein Fräulein, flüſterte er. 1 B*

Louiſe fühlte einen kalten Schauer durch ihre Glie⸗

deer durchrieſeln; Fritz Wendel nannte ſiemein Fräu⸗

lein und ſeine Stimme klang ihr ganz kalt und fremd⸗ Angſtvoll, ſchweigend lehnte ſie ſich zurück in die Kiſſen des Wagens; ihre entſetzten Blicke richteten ſich