kam ſelber, um ſich nach dem Wohlergehn ihres kleinen Hoffräuleins umzuſehen; ſie äußerte ihr ſo viel Theil⸗ nahme, ſo viel Mitgefühl, daß Louiſe ſich vollkommen ſicher fühlte, und es ganz freudig und arglos annahm, als die Königin ihr vorſchlug, heute Abend nicht auf den Hofball zu gehen, ſondern ruhig und unbehindert in ihren Zimmern zu bleiben.
Louiſe hatte alſo jetzt gar keine Hinderniſſe mehr zu fürchten. Sie konnte ſich ruhig mit den Vorbe⸗ reitungen zu ihrer Flucht beſchäftigen. So kam der Abend heran; jetzt hörte ſie die Equipagen abfahren, welche die Königin mit ihrem Gefolge nach dem Hof⸗ ball führten..
Eine unbeſchreibliche Bangigkeit überfiel das junge Mädchen; der Entſcheidung ſo nahe, fühlte ſie ein angſtvolles Zagen, ein jungfräuliches Erbeben über ihre eigene, unbedachtſame und verwegene That. Aber da ſchlug die entſcheidende Stunde, die Stunde der romantiſchen Flucht, des erſehnten Wiederſehens. Es war ihr, als ſähe ſie die flehenden Augen des Ge⸗ liebten vor ſich, als hörte ſie ſeine liebe, bittende Stimme. Aller Rückſichten, aller Schüchternheit ver⸗ geſſend, hüllte ſie ſich in ihren Mantel, und die Ka⸗ puze feſt über den Kopf ziehend, eilte ſie mit fliegenden Schritten den Corridor und die Treppe hinunter zu dem Ausgangsportal des Schloſſes.
Bebenden Herzens trat ſie hinaus auf die Straße. Eine unbeſchreibliche Angſt überfiel ſie; wenn er nun nicht da war, wenn dies Alles nur eine Täuſchung,
ein ihr gelegter Fallſtrick wäre. Aber nein, nein, dort ſah ſie eine hohe dunkle verhüllte Geſtalt, welche über
den weiten Platz her, gerade auf ſie zuſchritt. Sie konnte ſein Antlitz nicht ſehen, aber er war es ganz gewiß. Jetzt war er ihr ganz nahe, jetzt flüſterte er
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