— 216—
er um ſeiner Liebe willen zu leiden hat, weil man ihn gewiß gefangen genommen hat. Aber ich werde ihn retten und ihn befreien, und dann werde ich mit ihm fliehen, weit, weit hinaus in die Welt, wo Nie⸗ mand unſerer Liebe ſpotten ſoll.
Unter ſolchen Gedanken kehrte ſie heute wieder heim von ihrem vergeblichen Gartenſpaziergang, als ſie, in ihr Zimmer eintretend, auf ihrem Tiſch eins jener herrlichen Blumenbouquets gewahrte, wie ſie ihr der ſchöne Gärtner ſonſt täglich darzubringen pflegte. Louiſe ſtürzte mit einem lauten Freudenſchrei zu dem Tiſche hin, ſie ergriff mit freudeſtrahlenden Blicken das Bouquet und drückte es an ihre Lippen, dann ſuchte ſie in ſeinem Grunde nach dem Briefchen, welches ſonſt immer in den Blumen verborgen zu ſein pflegte. Richtig, auch heute enthielt dieſes Bouquet einen Brief, einen ſehr zärtlichen, glühenden Liebesbrief, in welchem Fritz Wendel ſie aufforderte mit ihm zu fliehen, ihren frühern Plan auszuführen, und mit ihm nach Oranienburg zu fahren, wo der Prieſter, welchen der Prinz gewonnen hatte, auch ſie trauen werde. Heute noch, heute Abend um die neunte Stunde ſollte die Flucht ſtattfinden. Louiſe zanderte keinen Augenblick, ſie war ganz entſchloſſen, dem Ruf des Geliebten zu folgen und mit ihm zu fliehen. Es war heute beim König ein Hofball angeſagt, und Louiſe von Schwerin ſollte im Gefolge der Königin⸗Mutter bei demſelben erſcheinen. Sie mußte alſo jetzt ein Mittel finden, dieſem auszuweichen und zurückbleiben zu dürfen. Als daher die Stunde der Morgenpromenade der Königin gekommen war, empfand Louiſe ein ſo plötzliches Un⸗ wohlſein, daß ſie die Hofdamen bitten mußte, ſie bei der Königin zu entſchuldigen, und ſich in ihr Gemach zurückzog, um ſich zu Bette zu begeben.— Die Königin


