Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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Beſchuldigungen aufgegeben habe. Anfangs glaubte Louiſe, dies Alles ſei nur eine Falle, in welche man ſie verlocken wolle, und ſie war daher auf ihrer Huth, ſie vermied es, allein in den Garten hinabzugehen,

4 und ſie war es ſehr zufrieden, daß auch Fritz Wendel 4 die Vorſicht gebrauchte, niemals vor ihrem Fenſter 1 vorüberzugehen, und nicht, wie ſonſt jeden Morgen einen

Blumenſtrauß unter ihrem Fenſter niederzulegen. Indesßs bemerkte Louiſe gar bald, daß ſie gar keiner Beaufſich⸗ tigung, keiner Spionage unterzogen ward, daß man ſie ganz frei und unbehindert laſſe. Sie überließ ſich daher bald wieder ihrem ſorgloſen Sinn und ihren kindiſchen Träumereien, und fing ihre Gartenprome⸗ naden und Spaziergänge nach dem Treibhaus wieder an. Nirgends indeß fand ſie ihren ſchönen Gärtner Fritz Wendel, nirgends ſah ſie ſeine hohe, ſchöne Ge⸗ ſtalt, begegnete ſie ſeinen feurigen, beredten Blicken. Dieſes plötzliche Verſchwinden ihres Liebhabers machte ſie beſorgt und unruhig, fachte ihre Liebe, ihre Gluth und Sehnſucht auf's Neue an.

Louiſe von Schwerin, welche in der Einſamkeit und Stille der letzten Tage faſt ſchon dahin gekom⸗ men war, ſich ihres Verhältniſſes mit dem armen Gärtner Fritz Wendel zu ſchämen, und ihre thörichte Liebe zu ihm zu bereuen, fühlte jetzt wieder die ganze Kraft und Gluth ihrer früheren Leidenſchaft, und war

in ſich ſelber wieder von der Dauer und Stätigkeit ihrer Liebe überzeugt.

Ich will und werde alle Hinderniſſe beſiegen, ſagte das junge Mädchen, ich will meinen Roman zu Ende ſpielen, und nichts ſoll mich daran hindern. Fritz Wendel liebt mich heißer und leidenſchaftlicher, wie mich jemals ein Graf oder ein Baron lieben wird, und wenn ich ihn jetzt nicht ſehe, ſo iſt es, weil