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1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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XvII.

Die Aeberraſchungen.

Am Tage nach der Unterredung der Königin⸗Mutter mit dem König war der Hofſtaat der Königin plötz⸗ lich durch die Nachricht überraſcht, daß der Arzt ſich über die Krankheit des Fräuleins Louiſe von Schwerin getäuſcht habe, daß dieſelbe nicht an dem Scharlach⸗ fieber, ſondern nur an einem Nefſſelfieber gelitten habe, von dem ſie indeß jetzt ſchon völlig wiederher⸗ geſtellt ſei. Das kleine Hoffräulein erſchien daher wieder im Kreiſe der Hofdamen, und außer einer leichten Bläſſe konnte man in der That durchaus keine Veränderung in ihrer äußeren Erſcheinung wahrnehmen.

Niemand indeß war mehr überraſcht und erſtaunt über dieſes plötzliche Verſchwinden ihrer Krankheit als das kleine Hoffräulein ſelber. Mit einer Art Entſetzen und Grauen gewahrte ſie, daß die Königin jetzt wieder durchaus eine gnädige und gütevolle Miene gegen ſie angenommen, daß ſie die Begebniſſe der letzten Tage ganz und gar vergeſſen zu haben ſchien, und wie durch einen Zauberſchlag ihren frühern Argwohn und ihre

Königin auch kinzelne kleine Abhandlungen und Brochüren felbſt verfaßt und drucken laſſen, in denen ſie zur Frömmigkeit und zur Anhänglichkeit und Treue an den König ermahnt. Sie hatte auch eine ſehr tüchtige und auserwählte Bibliothek, und lud gern und oft Gelehrte bei ſich zur Tafel. Der König, ihr Gemahl, gab ihr in ſeinem Teſtament das Zeugniß„einer unerſchütterlichen Tugend,“ und machte es ſeinem Nachfolger zur Pflicht, ihr das große Jahrgeld, welches ſie als Königin bekommen, auch als Wittwengehalt zu laſſen.— Siehe: Preuß, Friedrich d. Große. Vol. I. Pägyl 133. Neueſtes gelehrtes Berlin von Schmidt und Möhring h. I. pag. 1—2.