richtend, flüſterte ſie, ich danke dir, mein Gott, für das Glück dieſer Stunde! Ich fühle ſeinen Kuß auf meinen Lippen, und mit dieſem Kuß hat er ſie geweiht, daß ſie keine Klage mehr ausſtoßen, und nicht mehr murren ſollen!—
Sie erhob ſich groß und ſtill, und kehrte in ihr Cabinet zurück. Mit einem ſanften Lächeln trat ſie zu dem im Fenſter ſtehenden Tiſch, auf welchem eine glänzende Kupfertafel und ein Grabſtichel lagen, vor einem hinter dem Tiſch aufgeſtellten Gemälde, welches eine Landſchaft darſtellte.
Er ſoll wenigſtens zuweilen an mich denken, flüſterte ſie, ich werde für ihn eine Schriftſtellerin und eine Künſtlerin werden, damit ich doch mehr bin, als nur eine verſtoßene Königin! Er ſoll auf ſeinem Tiſche meine Bücher, und an ſeinen Wänden meine Bilder finden. Werde ich ihn dann nicht zwingen, zuweilen freundlich meiner zu gedenken*)?
*) Die Königin Eliſabeth Chriſtine war nicht nur ausge⸗ zeichnet durch Liebenswürdigkeit, Anmuth und echte Frömmig⸗ keit, ſondern ſie war auch eine geiſtreiche, ſogar gelehrte Frau und eine nicht unbedeutende Künſtlerin in der Radirkunſt. Es eriſtiren noch jetzt einige ſehr fleißig und ſauber gearbeitete Radirungen von ihr. Außerdem war ſie eine ſehr fleißige Schriftſtellerin, wenn auch nicht eine ſelbſtſchöpferiſche, doch eine reproducirende. Sie überſetzte von Gellert, ihrem Lieblings⸗ Schriftſteller, die moraliſchen Vorleſungen, die Oden und Le⸗ der in's Franzöſiſch, ebenſo von Hermes das„Handbuch der Religion,“ von Crugott„Chriſten in der Einſamkeit,“ von Spal⸗ ding,„Beſtimmungen der Menſchen,“ ſechs Predigten von Sack und einige andere ähnliche Schriften. Sie ließ dieſelben drucken und ſandte regelmäßig ein Exemvlar ihrer Arbeiten nach Sans⸗ vuci zum König, der wiederum ihr von allen ſeinen Schriften ein Exemplar ſandte, obwohl ſeine Schriften eben ſo ſehr der Eigenthümlichkeit und Geſinnung der Königin widerſprachen, als die ihrigen dem freiſinnigen und zur äußerlichen Frömmig⸗ keit nicht hinneigenden Geiſte des Konigs. Außerdem hat die


