Die Königin ſtieß einen Schrei aus, und lehnte ihr Haupt matt und kraftlos an die Schulter des Königs.
Oh, Sie werden mich verachten, und meiner ſpotten, ſtammelte ſie.
Der König ſah ihr tief und ſchweigend in das bleiche, ſchmerzdurchzuckte Angeſicht, und ein Strahl unendlicher Liebe, unendlichen Erbarmens leuchtete aus ſeinen Augen.
Ich habe heute ein erhabenes und edles Geheimniß erfahren, ſagte er, ein Geheimniß, das eigentlich nur werth war, von Gott vernommen zu werden. Von heute an üble ich mich als der Prieſter des Aller⸗ heiligſten, und werde Ihr Geheimniß büten, wie meinen höchſten Schatz. Das ſchwöre ich Ihnen; und das beſiegele ich Ihnen mit dieſem Kuß, den ein Mund auf Ihre Lippen drückt, welcher niemals mehr eines Weibes Mund berühren wird.
Er neigte ſich nieder und preßte einen innigen Kuß auf die Lippen der Königin. Eliſabeth, welche ſo oft dem Unglück ihre klare Stirn geboten, fand nicht die Kraft, dem ſchmerzvoll ſüßen Glück dieſes Augenblickes zu widerſtehen.
Sie ſtieß einen leiſen Schrei aus, und in ſich er⸗ ſchauernd, ſank ſie ohnmächtig zuſammen.
Als ſie erwachte, war ſie allein. Der König hatte ihre Frauen zur Hülfe herbeigerufen, dann hatte er dem Fräulein von Pannewitz ſeine Hand gereicht, und ſie ſelber zu ſeinem Wagen geleitend, war er mit ihr nach Berlin zurückgekehrt. 3
Eliſabeth Chriſtine war alſo wiederum allein! Allein mit ihren Gedanken, ihren Schmerzen und ihrer Liebe. Aber ein ſeliges Feuer leuchtete aus ihren Blicken, und das ſtrahlende Auge zum Himmel empor⸗


