Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
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ſie ſehen die Dornen nicht, mit denen ſie an unſerm Haupt befeſtigt iſt! Sie, mein Fräulein, werden Nie⸗ mand von uns mehr beneiden; wenn Sie aber eines Tages meinen Bruder mit dem Purpurmantel und der Krone ſehen, wenn ſein Volk ihm, als ſeinem König entgegenjauchzt, ſo können Sie zu ſich ſelber ſagen: ich bin es, die ihn zu einem König gemacht hat! Mit meinen Thränen habe ich ihn geſalbt, und wenn ſeine Völker ihn lieben und ihn ſegnen werden, ſo iſt das die Opferkraft meiner Liebe, welche ich über ihn aus⸗ gegoſſen habe! Kommen Sie, mein Fräulein, ich ſelber werde Sie zu meiner Mutter führen, und ich werde ihr ſagen, daß wir uns glücklich preiſen dürften, wenn wir Sie unſere Schweſter nennen dürften. Ich werde ihr auch ſagen, fuhr er fort, indem er ſich zu der Königin wandte, ich werde ihr auch ſagen, daß es nicht unſer Wille und unſer Befehl war, welcher das Fräulein von Pannewitz beſtimmte, ſondern die edle Ueberredungskraft der Königin Eliſabeth, welche das Volk von Preußen ſchon ſeine Heilige und ſeinen Schutzengel nennt, und welche es jetzt auch für das Königshaus von Preußen geworden iſt!

Er ſtreckte der Königin ſeine Hand entgegen, aber ſie nahm ſie nicht an, ſie ſah ihm zitternd und todes⸗ bleich ins Angeſicht, und nach der Portiére hindeutend, fragte ſie athemlos: Sie waren dort? Sie hörten Alles, was wir ſprachen?

Der König trat mit einem edlen wahrhaft erha⸗ benen Ausdruck zu ihr hin, und indem er ſeinen Arm um ihren Nacken legte, flüſterte er: ich war dort und ich hörte Alles! Ich hörte, daß ich ein armer Blinder bin, dem man ein Königreich anbietet, und der es doch nicht annehmen kann, weil ſeine Augen geblendet ſind, und er nicht ſehen kann. 14*