Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 209—

Drinnen im Vorzimmer ſaß der König. Sein Antlitz war bleich, und ſein Auge war minder hell und leuchtend als ſonſt. Er neigte ſich tiefer auf den goldenen Knopf ſeines Stockes nieder, und auf dem Golde deſſelben ſtrahlte plötzlich ein hellleuchtender Brillant, funkelnd und hell wie ein Stern, koſtbarer und edler, wie alle Edelſteine der Welt.

Wahrlich, ſagte er leiſe zu ſich ſelber, es iſt etwas Großes und Erhabenes um ein Frauenherz. Ich neige mein Antlitz in Demuth vor ſeiner Größe, aber ich kann leider mein Herz nicht mehr zwingen, es zu lieben. Das Erſtorbene läßt ſich nicht wecken, und was ein⸗ geſargt iſt, erſteht nimmermehr zum Leben!

Sie haben mich beſiegt, Königin, ſagte Laura jetzt nach einer langen Pauſe, und ein edles Feuer leuchtete aus ihren Blicken. Ich will Ihrer Achtung und Ihrer Freundſchaft werth ſein! Ich will nicht, daß mein Geliebter mich eines Tages anklage, und mich

Nicht ſo, nicht ſo, meine Laura, ſagte die Königin mit einem traurigen Lächeln. Sie dürfen nicht ein halbes Opfer bringen. Es iſt nicht genug, dem Ge⸗ liebten zu entſagen, Sie müſſen eine ewige Scheidewand zwiſchen ihm und Ihnen aufbauen. Sie müſſen dieſe

Mich vermählen, ſeufzte Laura. Oh, Königin, Friedrich der Große. I. 44