hingehen und ſterben, denn das Leben iſt alsdann nicht der Mühe werth, rief Laura, in Thränen ausbrechend.
Das Leben, mein armes Kind, iſt nicht eine Freude, welcher wir ausweichen dürfen, ſondern eine Pflicht, welche wir geduldig ertragen müſſen. Auch Sie dürfen Sich dieſer Pflicht nicht entziehen, und wenn Ihr Schmerz auch groß iſt, muß Ibr Wille doch größer ſein!
Was ſoll ich thun? Wie heißt die Pflicht, welche ich auf mich nehmen ſoll? fragte Laura mit bebenden Lippen. In Ihre Hände lege ich mein Geſchick. Sagen Sie, was ich thun ſoll.
Sich ſelbſt überwinden, Laura, Ihrer Liebe ent⸗ ſagen, der Stimme folgen, welche in Ihrem Innern ſprach, und welche Sie zu mir getrieben hat!
Oh, Madame, Sie wiſſen nicht, was Sie von mir fordern, klagte Laura. Ihr klares reines Herz kennt die Liebe nicht! 4
Sie ſagen, ich kenne die Liebe nicht, rief die Kö⸗ nigin leidenſchaftlich. Sie glauben das, und ahnen nicht, daß mein Leben ein fortgeſetztes Leiden, ein fort⸗ geſetztes Entſagen iſt! Ja, ich kenne die Liebe, eine traurigere und unheilsvollere Liebe als Sie, Laura, Sie jemals kennen werden. Denn ich, ich liebe, und werde nicht geliebt. Ich ſage Ihnen, was außer Gott Niemand auf Erden weiß, und ich ſage es Ihnen, um Sie zu tröſten, und Ihnen Kraft zu geben, Ihr eige⸗ nes Unglück auf ſich zu nehmen! Auch ich leide, auch ich bin unglücklich, obwohl ich eine Königin bin. Ich liebe meinen Gemahl! Ich liebe ihn mit der Leiden⸗ ſchaft eines jungen Mädchens, mit der Qual, welche die Verdammten empfinden mögen, wenn ſie dicht vor ſich das Paradies ſehen, und es nie betreten dürfen! Ich bin ganz Sein, mit allen meinen Gedanken und meinen Sinnen, und Er, ach Er iſt nicht mein. Er


