Teil eines Werkes 
1. Folge, Berlin und Sansouci oder: Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 205—

Portiére zurückgleiten, und ſetzte ſich geräuſchlos auf den neben der Thür befindlichen Seſſel.

Horchen wir ein wenig, dachte der König. Die Frauen coquettiren immer, wenn ſie Männern gegen⸗ über ſtehen; belauſchen wir ſie alſo einmal, wenn ſie allein ſind. Ich werde dadurch dieſe gefährliche Laura beſſer kennen lernen, und beſſer erfahren, wie ich auf ſie zu wirken habe, als durch eine lange Unterredung mit ihr.

Und der König, ſich auf den goldgezierten Krück⸗ ſtock lehnend, richtete ſeine glänzenden blauen Augen nach dieſer dunklen Sammetportiére, hinter welcher zwei Frauen vielleicht ſo eben über das Schickſal der Dynaſtie Hohenzollern entſcheiden ſollten.

Madame, ſagte Laura, Ihre Prophezeihungen ſind

frühe genug eingetroffen. Die Blüthen unſers Glückes ſind ſchon verwelkt und verdorrt, und unſere Liebe ſteht ſchon am Rande ihres Grabes! Arme Laura, ſagte die Königin mit einem matten Lächeln, es bedurfte keiner prophetiſchen Gabe, um dies vorherzuſehen. Am Rande des Thrones wachſen keine Blüthen, ſondern nur Dornen, und Ihre Augen wa⸗ ren von einem Zauber geblendet, daß Sie die Dornen für Blüthen anſahen..

Ich habe mir indeß mein Herz daran wund ge⸗ riſſen und ich hoffe, daß es verbluten wird. Oh, Königin, wenn Sie meine Qualen und meine Ver⸗ zweiflung kennten, Sie würden Mitleid und Erbarmen haben, Sie würden nicht ſo grauſam ſein, mir zu ſagen, daß ich meinem Glück und meiner Liebe ent⸗ ſagen ſoll, denn mein Glück iſt das Seine, und meine Liebe iſt ja nur ein Wiederhall der Seinigen. Käme

es nur darauf an, mich ſelber und meine thörigten

Wünſche zum Opfer darzubringen, ſo würde ich nicht

8