Ach, Sie bedauern ſie noch, mein Sohn, rief die
Königin achſelzuckend.
Madame, ich bedaure immerhin Diejenigen, welche ihrer Fürſtenpflicht ihre edelſten und beſten Menſchen⸗ gefühle zum Opfer darbringen müſſen. Ich bedauere ſie, aber ich kann ſie ihren Pflichten dennoch nicht entziehen, ſagte der König, indem er ſich von ſeiner Mutter beurlaubte.
Laura von Pannewitz hatte ſeit jener letzten Un⸗ terredung mit dem Prinzen traurige und ſchmerzvolle Tage durchlebt. Der kurzen Exaltation und Begeiſte⸗ rung war bei ihr ſchnell genug die Reue und die Ent⸗ nüchterung gefolgt. Nicht mehr unter dem Zauber ſeines Blickes, ſeines Anſchauens ſtehend, hatten des Prinzen Worte für ſie die Kraft der Ueberredung, der überzeugenden Gewalt verloren. Er war nicht mehr da, um die Zweifel, die Befürchtungen aus ihrer Seele zu verbannen, und ſie an die Berechtigung ihrer Liebe glauben zu machen.
Laura war ſich jetzt nur noch bewußt, daß ſie im Begriff ſtehe, ein großes Unrecht zu begehen, daß ſie in der Schwäche und Nachgiebigkeit ihrer Liebe den Geliebten einer glorreichen und glanzvollen Zukunft beraube. Sie ſagte ſich, daß es ein geößrer und edlerer Beweis ihrer Liebe ſein würde, wenn ſie ſich ſelbſt und ihr Glück dem Prinzen zum Opfer darbringe, als wenn ſie ſeine Zukunft zum Opfer ihres eigenen Glückes annehmen wolle.
Aber inmitten dieſer Vorwürfe und dieſer Reue war es ihr immer, als ſähe ſie dicht neben ſich das flehende ſchmerzvolle Antlitz ihres Geliebten, als höre ſie ſeine liebe Stimme, welche ſie beſchwwvor, ihm zu folgen und die Seine zu werden.
Laura, in der Qual und Angſt ihrer Liebe und


